Beck – Hyperspace

von am 1. Dezember 2019 in Album

Beck – Hyperspace

Beck Hanson führt mal wieder auf die falsche Fährte: Weder die Produzentenwahl noch das flippige Albumcover wirken sich auf Hyperspace dergestalt aus, wie man es (auch nach den Paisley Park Sessions) erwartet.

Die Ausgangslage sieht viel eher so, dass Beck nach knapp 15 Jahren Ehe der Scheidung von Marissa Ribisi entgegensieht – was nur zu naheliegend auch in einem von Trauer geprägten Melancholiker wie Sea Change münden hätte können.
Aber auch das Gegenteil wäre denkbar gewesen. Weniger, weil Beck damit auch nichts mehr von der Scientology, und damit jener Sekte, in die er quasi hineingeboren wurde, wissen will (genau genommen: offenbar nie wissen wollte). Sondern, weil er für sein vierzehntes Studioalbum eben (für zumindest zwei Drittel der Platte) Mister Happy Pharrell Williams engagierte – eine ausgelassene Party a la Midnight Vultures war zum 20 jährigen Jubiläums der futuristischen Funk-Disco also auch durchaus realistisch.
Geworden ist Hyperspace zwar schon irgendwie alles davon ein bisschen – aber dann letztendlich eben auch nichts wirklich. Viel eher hat Beck im weitesten Sinne eine Übersetzung der sphärischer im Hall schwebenden Elegien von Morning Phase durch die moderne Produktion von Colors durch das aufgeräumt arrangierte, bisweilen gar asketisch funkelnde Spektrum von Williams inszeniert.

Der Neonbanner am Cover pulsiert also nicht krell-elektrifizierend, sondern wabbert spacig entspannt; die Geschwindigkeit ist relaxt cruisend und ohne jede Hast; denn die durchaus geradlinige Popmusik aus dem Hyperspace der 80er setzt auf eine atmosphärische, fast psychedelische Kontemplation, speist sich höchstens subversiv aus vagen Ansätzen des modernen R&B oder Hip Hop. Am deutlichsten, wenn der Titelsong praktisch nicht mehr als eine Snare als Grundgerüst benötigt, um den Gesang über verträumt fliesenden Synthieschwaden bis zum Rap zu führen.
Ein über weite Strecken unverbindliches Ganzes, das an sich viele Ideen (und mit Coldplays Chris Martin sowie Sky Ferreira auch durchaus namhafte Gäste begrüßt) hat, wandelt sich in der Wahrnehmung so von der unspektakulären Ernüchterung zur angenehm subtil vorgehenden Zuverlässigkeit (in einem abermals neuen Lich)t zu einer rundum zufriedenstellenden, aber wenig herausfordernd nebenher laufenden Ergänzung der Beck’schen Discografie. So wirklich packend oder emotional aufwühlend ist das ja diesmal nicht – eher sehr ästhetisch und manierlich, auch ein catchy Grower.

Nach dem verschwommenen Intro Hyperlife döst der Ohrwurm Uneventful Days so trotz eines zappelnden Beats über anachronistische Keyboardschichten und einer schmissigen Melodie, bevor Saw Lightning den hibbeligen Faktor mit Loser-tauglichen Gitarrensample und Mundharmonika über den ständig die Gewichtung wechselnden Minimal-Beat – mal stacksend, mal rollend, mal fiepend – in den Pseudo-Blues anzieht. Die Waiting beginnt als Reminiszenz und entpuppt sich als entschleunigter Stomper mit Handclaps und schrammelnder Akustikgitarre, der Chorus könnte das Animal Collective verzücken. Chemical bringt vagen Trap ans Lagerfeuer und hieft die Nummer soundtechnisch leger schnipsend auf die Empore, bevor See Through als spartanischer Elektropop mit mystischen Texturen durchgeht.
Dass dabei stets das Gefühl bleibt, dass Beck mehr aus dem Material kitzeln hätte müssen, wird jedoch vor allem hinten raus offensichtlich. Weil Dark Places gefälligerweise keinen Zwang kennt, Everlasting Nothing mit seinen zur Lippenbekenntnis neigenden Soul-Chören keine Konsequenz forciert und das potenziell großartige Star in seiner smoothen Gangart an Bilderbuch erinnert – Maurice Ernst und Co. die Gitarre aber nicht derart stromsparend und dezent in den Hintergrund gerückt hätten.
Dass Paul Epworth hier als ausführender Gehilfe kein Katalysator sondern – wie auch Pharrell – eventuell eher angezogener Bremsbacken ist, lässt dann die stärkste Nummer von Hyperspace vermuten: Stratosphere könnte frei gelöst von allen Gravitationskräften als im besten Sinne bezaubern plätschernde Sehnsucht direkt an die traditionelleren, ruhigen Meisterwerke des 49 Jährigen anknüpfen, denen er sich seit 2014 verwehren will. Es ist der einzige Songs der Platte, den Beck komplett im Alleingang verantwortet.

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