Goatsnake – Black Age Blues

von am 28. Mai 2015 in Album, Heavy Rotation

Goatsnake – Black Age Blues

Wenn man aus den vergangenen Monaten und jüngsten Veröffentlichungen von Blur oder Faith No More Lehren ziehen konnte, dann jene, dass 2015 ein besonders gutes Pflaster für Comebackwerke zu sein scheint. Auch das erste Album der Stoner-Supergroup Goatsnake seit 15 Jahren untermauert diese These.

Ein paar weitere Münzen für das Phrasenschwein gibt es, weil die im Zuge der diesjährigen Comebackwelle so gerne benutzte Floskel der „nahtlos an die Vergangenheit anknüpfenden Platte“ für ‚Black Age Blues‚ nicht nur abermals bedient werden muss, sondern diese sich vermutlich noch keinem Album mit so viel Wartezeit im Rücken in diesem Jahr derart aufgedrängt hat wie dem Nachfolger der ‚Trampled Under Hoof‚-EP von 2000 – alleine, weil Goatsnake nach dem ‚Flower of Disease‚-Closer ‚The River‚ nun kurzerhand mit der von David Pajo gezupften Erkenntnis ‚Another River to Cross‚ aus dem selben sumpfigen Fade-Out-Morast von damals wiederauferstehen: Goatsnake bleiben Goatsnake bleiben Goatsnake bleiben eine Macht in den Hoheitsgebieten zwischen dickem Stoner Rock und tonnenschwerem Doom Metal – und ‚Black Age Blues‚ ist ein malmendes Destillat ihrer Stärken.

Die Rhythmussektion um Neo-Basser Scott Renner (Sourvein) und Drummer Greg Rogers (The Obsessed) arbeitet da kompromisslos groovend, Sunn O)))-Droner und Southern Lord-Boss Greg Anderson liefert die nötigen, markerschütternden, geschmeidigen, arschtighten Riffkaskaden und fett fuzzenden Hooks, baut hier grollende Wände und schiebt dort sportliche Monstrositäten aus den Boxen. Pete Stahl (earthlings?, Scream) hat sich dazu trotz einiger Einbußen in der Vehemenz die neben John Garcia wohl markanteste Stimme der Szene bewahrt, intoniert immer noch als Ausnahmesänger mit eigenwilligem Charisma und vibrierendem Timbre,  lässt sein Organ über die mächtigen Gitarrenwellen gleiten und etwa im unfassbar catchy walzenden Brechstangen-Shuffle ‚Elevated Man‚ sogar wieder gegen die altbekannte, fiebrige Südstatten-Mundharmonika antreten.
Und dennoch ist das Feeling dezent anders als noch vor eineinhalb Dekaden: ‚Black Age Blues‚ ist zwar gewohnt heavy, wie ein geschmeidiger Hybrid aus Kyuss, Soundgarden und Saint Vitus-Lieblingsmomenten, hat vom ‚Flower of Disease‚-Produzent und nunmehrigen Arena-Spezialisten Nick Raskulinecz (siehe Foo Fighters, Alice in Chains, Mastodon, etc.) aber eine deutlich sauberere Produktion verpasst bekommen, die letztendlich jedem der 9 Songs selbst bei ausfransenden Jamausflüge wie im Down‚esken Titelsong einen überraschend hartnäckigen Ohrwurmcharakter verleiht. Zugänglicher, kompakter und entgegenkommender waren Goatsnake damit tatsächlich noch nie.
Wenn man schon bei den Feinjustierungen ist: ‚Black Age Blues‚ hält ausgerechnet in diesem aufgeräumten Klangbild weniger noch als seine beiden Vorgänger mit der Tatsache Haus, im tiefsten Inneren vor allem bedingungslos dem erdigen Blues zu fröhnen. Das geht so weit, dass sich Goatsnake für weite Strecken der Platte kurzerhand Dem Preacher’s Daughters als immer wieder auftauchenden Backingchor einverleibt haben – was dem Drittwerk der Kalifornier letztendlich einen vollends eigenständigen Sound, ein immanentes Gospel-Flair, verleiht: Songs wie das röhrend zwischen den Geschwindigkeiten schaltende Highlight ‚House of the Moon‚ werden zu glühenden Soul-Messen in finsterer Nacht, das beschwörende, flapsige ‚Jimi’s Gone‚ bekommt als mutmaßlicher Tribut an Jimi Hendrix eine feierliche Bedrohlichkeit verliehen und die dunkle Baptistenkirche prangert anhand solcher vitaler Brocken wie dem aufgeladenen ‚Grandpa Jones‚ nicht umsonst auf dem Cover – beinahe so, als hätten die Coen-Brüder O Brother, Where Art Thou? als Odyssee durch die Metalausläufer des Deltablues mit den Staples Sisters und Black Sabbath in den Hauptrollen neu verfilmt.
The Lyrics are about keeping the youth juice flowin‘!“ erklärte Stahl übrigens vorab, und wenn er Zeilen wie „You can’t decide what to do with your life/Grandpa Jones/Break it down!“ mit einem Fuß im Hardrock schmettert, lassen sich die wenigen vorhandenen Makel dieser Rückkehr vor allem bei den bisweilen zu (gewollt) stereotypen Texten einer Platte finden, die mit einigen zurückgenommeneren, weniger in die Vollen gehenden Momenten zudem sogar noch stärker ausfallen hätte können –  wie es spätestens das überragende ‚A Killing Blues‚ dann mit seinem gefühlvollen Laut/Leise-Wechselspiel gleich selbst auf eindrucksvolle Weise vorführt. Wie bestialisch alleine dieser triumphale, verbrüdernde Schlusspunkt Live einschlagen wird, will man sich kaum ausmalen – für erhabene Slo-Mo-Headbang-Momente wie diese konnte in jüngerer Vergangenheit jedenfalls niemand sonst derart überzeugend sorgen.
Dass die alte Macht Goatsnake mit ‚Black Age Blues‚ so ein Gros der Konkurrenz auf Sicht kurzerhand verbläst, spricht dann aber ausschließlich für die anstandslos konservierte, aber nicht stagnierende Klasse dieser im besten Sinne so routiniert agierenden Band, die es auch nach über einem Jahrzehnt Studiopause schlicht mit ehrfurchtgebietender Zuverlässigkeit versteht, anhand einer markerschütternden, grundsoliden Versiertheit einen kurzweiligen Malstrom aus gnadenlosen Genrehits zu beschwören.
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