Jesse Welles – Under The Powerlines ll (October 24 – December 24)
Mit Under the Powerlines II (October 24 – December 24) versammelt Fol-Singer/Songwriter Jesse Welles die nächste – diesmal eine fast enttäuschd kurzen Zeitraum umspannende – Tranche an Solo-Acoustic Aufnahmen.
Abgesehen davon, dass das Format in seiner zweiten Runde mit 25 Songs über 65 Minuten deutlich kompakter ausgefallen ist, als beim ersten Durchgang, haben wir es grundlegend natürlich mit einer nahtlosen Fortsetzung des Konzepts zu tun: Welles performt auf sich alleine gestellt mit Acoustic-Gitarren und phasenweise Mundharmonika rohe, ungeschliffene, naturalistische Versionen seiner Songs, während im Hintergrund schon mal hippiesk die Vögel zwitschern.
Gerade eingangs gibt es dabei viel bekanntes Material – von Pilgrim (We’re All Gonna Die, Gilgamesh, GTFOH, Pilgrim und Forever, Whatever), Middle (Certain, Ro
Dazu kommen die Singles Amazon Santa Claus und United Health bzw. das CCR-Cover Have You Ever Seen the Rain mit Mt. Joy (das ja für sich schon längst einer der meistgehörten Welles-Songs auf Streaming-Portalen ist, hier aber noch mit Moskito-Attacke am Ende daherkommt).
Dazu gesellt sich auf Under the Powerlines II aber auch deutlich mehr Songs, die bisher noch nicht als Studio-Versionen verarbeitet wurden.
Bullshit marschiert salopp durch die Szene, nimmt verschiedene Marken ins Visier und sich selbst nicht zu ernst, pfeift als Variation bekannter Welles-Motive. Dumber glänzt wehmütig mit Weisheiten (“Sometimes life’s a big old toilet/ and I’m just a real good plumber”) und Weed ist natürlich ein amüsantes Legalisierungs-Plädoyer, denn „Give air a chance!„. Be Yerself (gemütlich, ruhig weich und sanft aufbauend), True Crime (ein munteres Kleinod, das nach Jeffrey Dahmers Augenfarbe fragt) und das dahin schunkelnde Happy Thanksgiving sind ebenso im besten Sinne unspektakulär tolle Standards wie das rasche, fast dringlich und verzweifelt durch die Popkultur rauschende Mass Shootings, das nonchalante Stitch by Stitch oder das flott-beschwingte Ozempic.
Take Me Home, Country Drones und Merry Xmas (War is Raging) lehnen sich dagegen nicht derart stark an die offenkundigen Referenzen, wie es zu erwarten wäre, sind dafür aber politische Statements jener Kategorie, in der Welles aktuell sogar noch schmissiger liefert. Aber eine minimale Schwankungsbreite in diesem Reigen aus Fan-Favorites geht absolut klar – dass man Teil 3 der hoffentlich endlos weiterlaufenden Serie kaum erwarten kann, spricht eigentlich für sich.


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