King Gizzard & The Lizard Wizard – Butterfly 3000

von am 5. Juli 2021 in Album

King Gizzard & The Lizard Wizard – Butterfly 3000

Weird, odd, off-kilter polymetric arpeggios in strange time signatures, but with proper grooves you can stomp along to. At heart it’s avant garde, but a six-year-old could enjoy it.“ analysiert Stu McKenzie, oder: King Gizzard & The Lizard Wizard haben mit ihrem in Isolation entstandenen Pandemie-Dokument Butterfly 3000 den potentiellen Soundtrack des Sommers 2020 aufgenommen.

Dafür tauschen die australischen Dauerveröffentlicher (konsequent wie immer, überraschend wie meistens) mit fistelnden Kopfstimmen-Harmonien im Andenken an die Bee Gees den Rock gegen eine sonnig-luftige Halluzination des Pop, irgendwo inmitten der Orientierungs-Punkten Dream- und Synth, mehr noch aber in einem optimistischen Eskapismus zwischen Portugal. The Man und Tame Impala; die Gitarren zudem nahezu vollends gegen analoge Keyboarde, Vintage Moogs und Eurorack Synthesizer.
Utensilien, die ursprünglich für die Ambient-Interludes von Chunky Shrapnel angeschafft worden waren: „We started making these arpeggiated loops, which are littered throughout the film. And that just felt like an inspiring little idea that was so simple. The synth we were using has really rudimentary sequences that are just random combinations of notes. We were drawn to the off-kilter amounts of notes — these weird time signatures coming from the synthesizer, rather than drums. We were being led by the capabilities of the technology, so I just thought, ‘I’m going to have an open mind and see where this path leads.’

Der Weg hat King Gizzard jedenfalls zu einer weichen, fluffigen und schwerelosen Platte der Modulation geführt, die wabbernd pluckert und fiepend piepsend in einer so weichen wie lebendigen Psychedelik badet – kompositionell eigentlich gar nicht so weit von Songs wie Supreme Ascendancy oder The Last Oasis entfernt, nur eben vollkommen anders inszeniert: wieder einmal klingen die Australier wie nie zuvor, radikaler und exzessiver war der stilistische Bruch bisher aber womöglich nur auf Infest the Rats’ Nest.
Mittels nahtloser Übergänge (ein bewährter Kniff, der hier jedoch auch ein essentielles Trumpfass für die Sogwirkung ist) extrem homogen und als große Ganzes in einem ständigen Fluss aufbereitet, wirkt Butterfly 3000 wie ein Retro-Indietronica-Kaleidoskop aus der hippiesken Vergangenheit, auf verspielte Weise detailliert und mit einer progressiven Unangestrengtheit verzahnt.
Aufgrund dieser Geschlossenheit des Ganzen und der wohlig desorientierenden Wirkung ist es übrigens auch verlockender, all die Schmetterlinge am Cover zu zählen, als sich daran aufzuhängen, dass der Platte hinten raus ohne Übersättigungsgefühl ein klein wenig die substanziellen Luft auszugehen droht.
Nach dem sich mit pluckernden Space-Minimalismus (samt Hip Hop-Anleihe) vor den Beach Boys verneigenden 2.02 Killer Year findet das oszillierend gezupft stacksende Black Hot Soup zumindest nicht vollends zum Punkt (entschädigt aber mit einer finalen Minute, in der die Gitarren ansatzweise nebulös mit Wah-Wahls heulen dürfen), bevor das aus anderen Zeiten zappelnde Ya Love eher durch seine übergeordnete Ästhetik, als durch das Songwriting überzeugt und der gelungen redundante Titelsong einen märchenhaft Epilog bietet.

Ausfälle sind das sowieso kein – und womöglich setzen King Gizzard die Latte auch nur insofern selbst zu hoch, als dass sich über zwei Drittel der Spielzeit die Quasi-Hits so selbstverständlich aneinanderreihen – unerheblich, ob sich die individuellen Charakteristiken der einzelnen Songs nach süchtig machender Dauerrotation in ihren akribischen Facetten bereits zu erkennen gegeben haben, oder Butterfly 3000 als Gesamtes in seinen Bann zieht.
Yours bekommt etwa durch seine Drums eine immer ausgelassenere Dynamik und Shanghai flimmert im fernöstliche Ambiente, packt dann den fast R&B tauglichen Verve aus. Dreams zelebriert einen beschwingt-schwelgenden Groove und franst um seinen catchy Refrain aus, bevor Blue Morpho sich lange zurücklehnt, umher tändelt und dann mit dem betörenden Club liebäugelt, Catching Smoke eine nonchalante Party mit klatschendem Beat, flimmerndem Hedonismus und einigen Wendungen darstellt, während das funky Interior People der vielleicht größte Radio-Hit werden könnte, den King Gizzard bisher in ihrem Repertoire haben.
Weswegen man sich im polarisierenden Wesen der Platte auch mit einer kindlichen Freude dafür entscheiden kann, es bei dieser spontanen Momentaufnahme mit keiner spinnerten Sackgasse , sondern einer grandiosen neuen Facette im unerschöpflichen Klangkosmos der Band zu tun zu haben.

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