Nivhek – After Its Own Death / Walking in a Spiral Towards the House

von am 10. März 2019 in Album

Nivhek – After Its Own Death / Walking in a Spiral Towards the House

Zuletzt hatte Liz Harris mit Helens The Original Faces (2015) sowie dem Grouper-Zwilling Ruins (2014) und Grid of Points (2018) ja verhältnismäßig viel Interesse an greifbaren Strukturen und zugänglichen Formen gezeigt. Nun löst sie diese unter einem neuen Projektnamen wieder auf: Nivhek bewegt sich über zwei zweigeteilte Soundlandschaften in den strukturlosen Ambient und Drone.

After its own death / Walking in a spiral towards the house ist Klangschalen-Mystik mit der verführerischen Ästhetik einsamer Wälder im Winter, die man zutiefst unheimlich finden, oder als Soundtrack zur spirituell reinigenden Selbstfindungwanderung interpretieren kann. Auch beides zur selben Zeit. In jedem Fall bleiben die 59 Minuten des Nivhek-Debüts verrauscht und düster, pure Stimmungsmusik. Als homogene Klanglandschaft, ohne Melodien oder Hooks, ausnahmslos auf die beklemmende Intensität seiner imaginativen Atmosphäre setzend. Eine sphärische, meditative Erinnerung ohne konkrete Konturen oder Formen: Liz Harris lässt sich in einen beunruhigend beruhigenden Kosmos treiben, der den Welten früherer Grouper-Veröffentlichungen gar nicht so fern ist.

Die Aufteilung der beiden Longtracks in einzelne Movements ist deswegen auch nicht zu streng zu verstehen. Im Grunde ist die (physisch typischerweise wieder viel zu knapp aufgelegte, innerhalb von Minuten vergriffene) Platte ein großes, zusammenhängendes Ganzes.
Die stärkste Phase zaubert Nivhek dabei jedoch schon zu Beginn, wenn After its own death über ätherisch-sakrale, zum andächtigen Chor vervielfältigte Gesänge und unregelmäßige Herzschläge  verwaschen geboren wird. Nur kurz verleibt sich die Nummer einen modulierten Drone ein, schiebt den Fokus dann aber doch sanft erst auf ein verzaubert aus dem Hall gleitendes Mellotron. Gitarren wiegen über kaputte Pedale wie sanfter Balsam, jedes Element ist flächige Textur in einer entrückten Schönheit voll tiefer Melancholie. In der zweiten Hälfte übernimmt ein Windspiel das Szenario, irgendwo ganz hinten im andersweltartigen Mix hört man Ahnungen von Gesang.

Knapp 12 Minuten im Reigen übernehmen zögerlich Field Recording-Schnipsel, ein Tape-Sample beginnt bedrohlich manifestierend zu wummern, verschwindet aber alsbald wieder so plötzlich und abrupt in den Äther, wie es erschienen ist. Eine radikale Irritation, leider nur Trugbild.
Bald kippt das Moodpiece schließlich in vertraute Gefilde zurück, auch wenn das allgemeine Gefühl nun durch die angetäuschte Katharsis leidlich versöhnlicher ist. Gravierender aber ist, dass danach der Eindruck bleibt, dass alles nach dieser skizzierten Kakophonie die Reise von Nivhek inhaltlich nicht mehr weiterbringt oder vertieft, sich alles um das längst installierte Windspiel im Kreis dreht, in sich geht, die Augen schließt, unterbewusst mäandert.
Was auch über die beiden Parts von dem halb so langen Walking in a spiral towards the house so bleibt. Harris variiert im deutlich weniger essentiellen der beiden Tracks fortführend weder die Form, das instrumentale Auftreten, setzt keine Akzente mehr, verschiebt weder Spannungen oder Dynamik, treibt einfach repetitiv weiter in bereits erkundete Gefilde. Was schade ist und das bis dahin angedeutete Potential von Nivhek nur noch aus einer gewissen Komfortzone heraus verwaltet.
Eine Nabelschau also, die mit ihrer minimalistisch inszenierten, so ruhigen und subversiven Anziehungskraft nicht über die volle Distanz eine überwältigende Gravitation entwickeln kann, als verzaubernder Mikrokosmos aber durchaus neugierig auf die Zukunft dieser neuen Spielwiese von Harris macht.

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