Palace Winter – Waiting for the World to Turn

von am 8. Juni 2016 in Album

Palace Winter – Waiting for the World to Turn

Caspar Hesselager und Carl Coleman produzieren unter dem Banner Palace Winter als dänisch/australisches Doppel im Windschatten angesagter Szenegrößen freiheitsliebend in die Weite gehenden Indierock ohne Grenzen am Horizont.

Palace Winter geht damit den Weg weiter, den bereits die Medication-EP im vergangenen Jahr geebnet hat, vor allem die drei Waiting for the World to Turn vorauseilenden Singles destillieren jedoch exzellent, wie es um die generelle Ausrichtung  der versammelten 43 Minuten dieses Debütalbums bestellt ist. Auch – und im Grunde besonders – hinsichtlich der verinnerlichen  Referenzlastigkeit der Achse Kopenhagen-Melbourne: Positron perlt mit folkiger Lord Huron-Schlagseite in die schimmernden Hoheitsgebiete von Tame Impale, Soft Machine groovt entspannt wie eine besonders griffig treibende Grizzly Bear-Nummer, und H.W. Running läuft mit dem selben Americana-Drive wie Lost in the Dream über seine sphärische ausgebreitete Soundlandschaften dahin.
Überhaupt bleiben The War on Drugs für Palace Winter die direkteste Inspirationsquelle neben den synthieschangeren Halluzinationen von Kevin Parker‘s Band. Schon das eröffnende Dune Wind ist mit seinem geloopten Sébastien Tellier-Piano auf einem unablenkbar nach vorne gehenden Beat gebaut, hinter dem das Duo die Gitarren streunen lässt, während Hearts to Kill in unmittelbarer Umgebung von Lonerism seine Melodien in den Rhythmus treibt und What Happened die weiche Dynamik von Other Lives zu Currents spannt.

Dass Palace Winter den abschließenden  Spannungsbogen des runden Doppels aus dem Bon Iver‚esken, ätherischen Keyboard-Softrock Dependance und dem gefühltermaßen viel zu oft eingesetzten, nach Adam Granduciel/Kurt Vile-Drumpatter-Muster eilenden, irgendwann unspektakulär aus der Sicht verschwindenden Independence auflösen, ist typisch für Waiting for the World to Turn: Besonders viele Tricks auf Lager hat der wohlwollend generische Indierock des Duos nicht, kleine Kniffe wie das plötzlich in die schwerfälligere Psychedelik kippende Finale von Positron bleiben leider die Ausnahme. Stattdessen verfolgt das ausfallfreie Songwriting stets relativ stur ein installiertes Grundmotiv, umturnt dieses dann spielerisch umtänzelnd und speist damit den in alle Seiten hin offen fließenden, behutsam (re)produzierten Sound mit einer leichtgängigen, entspannt schwelgenden Melodieseligkeit, der trotz zusammengeborgter Versatzstücke niemals kalkuliert oder bemüht klingt.
Waiting for the World to Turn läuft so mit kompaktem Hang zum Epischen angenehm unangestrengt durch, tut nie weh und gefällt immer, verpasst es an der Grenze zur Gefälligkeit plätschernd jedoch tatsächlich nachhaltige eigene Duftmarken und markante Eindrücke zu hinterlassen. Womit die kurzweiligen 9 Songs letztendlich wie ein unverbindlicher Flirt wirken, an den man sich vielleicht gerne erinnern wird, der einen aber auf lange Sicht aber auch keinesfalls davon abhalten wird, zu den wahren Liebschaften zurückzukehren. Spätestens, wenn die hierfür impulsgebenden (nicht weniger eklektisch, aber doch eigenständiger agierenden) Originale mit neuen Alben um die Ecke biegen, dürfte Waiting for the World to Turn seine sympathische Atmosphäre insofern nicht mehr genügen. Bis dahin taucht man freilich nur zu gerne in die zärtlichen-sehnsüchtigen Melancholie-Träume von Palace Winter ein.

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