Weezer – Everything Will Be Alright in the End

von am 3. Oktober 2014 in Album

Weezer – Everything Will Be Alright in the End

Sich von hartgesottenen Fans in der Sonne den Bauch pinseln lassen, mit ihnen an der Bar diskutieren, wo die verlorengegangenen Stärken von Weezer liegen, oder einfach eine ausgelassene Party auf hoher See feiern. Die beiden „Weezer-Cruises“ am Luxusliner haben Rivers Cuomo und Co. sichtlich gut getan, die Perspektiven gerade gerückt. Nach vier Jahren Plattenpause ist ‚Everything Will Be Alright in the End‚ deswegen tatsächlich ein kaum mehr für möglich gehaltenes Comeback geworden.


Im Grunde hat eventuell eine einzige Entscheidung gereicht, um das Steuer des im letzten Jahrzehnt stets an der Kippe zum definitiven Schiffbruch stehenden Kombo von Rivers Cuomo wieder herumzureißen: Ric Ocasek ist wieder an Bord, zum dritten Mal nach der blauen und der grünen Platte. Die erste Aufgabe des The Cars-Chef um dem optimistisch betitelten ‚Everything Will Be Alright in the End‚ auch den richtigen Nährboden zu verschaffen: der unangenehm aufdringliche Chartsound, dem sich Weezer zuletzt so hemmungslos verschrieben hatten, wurde konsequent entsorgt, das neunte Werk der Band rockt fett auf das Wesentliche reduziert.
Dann noch im Aufgabenbereich des Produzenten: Cuomo permanent auf die Finger zu klopfen, wenn mit dem Hornbrillenträger mal wieder die Pferde durchzugehen drohten. Ocasek hat dem Quartett verunglückte Ausflüge in den Hip Hop, R&B-Anleihen, Boyband-Plastikmomente, in den Teig pfuschende Hochglanz-Produzentenhorden und sonstigen Schwachsinn der letzten Alben verboten. Gut: dass Cuomo seine Songs wieder vollkommen alleine schreibt hat auch er nicht geschafft – obwohl gerade das unheimlich lieblich aufstampfende ‚The British Are Coming‚ und die vom Akustikstomper zum Bratgitarrenpresser mutierende Killersingle ‚Cleopatra‚ zu dem absoluten Highlights zählen. Zumindest aber hat er dafür gesorgt, dass sich das schrullige Nerd-Abziehbild diesmal die richtigen Kollegen als Co-Songwriter an Bord geholt hat.

I’ve Had It Up to Here‚ wagt mit Justin Hawkins den Spagat zwischen fistelnder The Darkness-Strophe und einem Weezer-Refrain von der Stange, inklusive smarter Raggae-Verneigung. Best Coast Girl Bethany Cosentino umschwänzelt ‚Go Away‚ als Sunshine-Melange aus ‚I Just Threw Out the Love of My Dreams‚ und ‚Crazy One‚ – ein cheesy Heartbreak-Singalong für den Sommer. Mit Titus Andronicus-Vorstand Patrick Stickles bastelt Cuomo das versöhnlich bratzende zum Gemeinschaftsgefühl ausgebreitete ‚Foolish Father‚, an das er als Appendix gleich noch eine dreiteilige Suite voller Muckertum, Gitarresoli, Pianogeklimper und Softrock-Schmeichelein als Rausschmeißer anhängt.
Ausgerechnet mit dem eigentlich auf Girlie-Schmonz (t.A.T.u.,  Paris Hilton oder die Disney-Abteilung) abonierten Josh Alexander entstehen das als Zwergengepfeife beginnende und zum gnadenlosen Ohrwurm lostretende ‚Da Vinci‚, sowie ‚Lonely Girl‘ – der wahrscheinlich effektivste Powerpopsong seit dem grünen Album. ‚Eulogy For A Rock Band‚ packt in seinem breitbeinigen Pose dann einen nostalgisch-träumenden Kompakt-Gänsehaut-Chorus zum Niederknien aus. Und ja: selbst der hölzend stacksende Bubblegum-Hardrock des ‚Beverly Hills‘-Updates ‚Back To The Shack‚ macht in diesem Kontext mit all seinem „Früher war alles besser„-Holzhammer („Rockin‘ out/ Like it’s ’94„) plötzlich durchaus Laune.

Genau hier liegt die große Stärke von ‚Everything Will Be Alright in the End‚: Weezer machen endlich (und so unerwarteterweise) wieder auf volle Distanz Spaß, ohne die Fremdschämkeule zu schwingen. Wenn die vier Kalifornier ihr Gespür für Melodien und Hooks weitestgehend adäquat auf den Boden bringen, zaubert das immer wieder ein unkompliziertes Grinsen ins Gesicht, hat viel von dem Schmiss, der Melancholie, der Romantik vergangener Tage – alles in Relation, versteht sich.
Natürlich sind das auch diesmal (gefühltermaßen) nicht die Weezer der ersten beiden Alben – aber es sind die Weezer der letzten 10 Jahre, die sich auf ihre Stärken besinnen und endlich machen, was sie am besten können; auf die Art, wie sie es am besten können. Die Songs – eigentlich: alles potentielle Singles! – sind dabei durch die Bank zwingender, catchier, geschmackvoller und sympathischer ausgefallen als alles, was die Vier (bis auf wenige Ausreißer) seit ‚Make Believe‚ fabriziert haben. Alleine das eingestreute Metalgekniddel sitzt so hauteng, wie sonst nur auf ‚Maladroit‚. Rivers Cuomo fügt sich dazu vom proklamatisch den Weg vorgebenden ‚Ain’t Got Nobody‚ in die Rolle der Kunstfigur Rivers Cuomo („I’m living all alone/ nobody at home/I try to fall asleep/ I really start to freak/…/Ain’t got nobody, ain’t got nobody/ Ain’t got no one to really love me„) ohne es nach Zwang klingen zu lassen.
Ob Weezer mit dem Fan-Pleaser ‚Everything Will Be Alright in the End‚ das beste Album aufgenommen haben, das dieser Band im 23. Lebensjahr überhaupt möglich ist, oder aber nur den ersten Schritt zurück zu alter Klasse dokumentieren – das wird sich erst weisen, während sich das entwaffnende Comeback irgendwo zwischen Verrissen und Lobpreisungungen verortet. Die spleenige Discography im Rückspiegel empfiehlt es sich dennoch skeptisch zu bleiben. Eine gewisse Euphorie ist dennoch erlaubt.

07Vinyl LP auf Amazon | CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon

Related Post:

Print article

3 Trackbacks

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen