Yob, Pallbearer [24.09.2014: Arena, Wien]

von am 27. September 2014 in Featured, Reviews

Yob, Pallbearer [24.09.2014: Arena, Wien]

Die Jungspunde Pallbearer als Band der Stunde, die langdienenden Yob als unfehlbare Instanz: eine Kombination, die sich bereits am Papier wie ein feuchter Metal-Traum liest, gerät dann über knapp zweieinhalb Stunden in der Arena auch ganz folgerichtig zum Triumphzug und mehr noch: zur Annäherung an der perfekten Doom-Galaabend.

Mike Scheidt steht (in Schichten von Bandmerch gekleidet seine innige Verehrung für Neurosis unterstreichend und drumherum mit Lederweste, Geddy Lee-Brille und Poppunk-Schühchen das Bild des spirituellen Metal-Nerds evozierend) nach Konzertende am Merchstand, signiert bereitwillig Platten, schüttelt Hände, fachsimpelt mit den einen über Gitarren-Tuning und mit den anderen über Nachwuchs und Vasektomie. Kurzum: er ist entspannt, freundlich, die Liebenswürdigkeit ins Person.
Und damit augenscheinlich wie ausgewechselt zu der Person, die da noch wenige Minuten zuvor auf der Bühne die Zügel von Yob eng gehalten hat, die Matte wild in die massiven Riffanalogien wirft und schlichtweg eine beeindruckende Bühnenpräsenz ausstrahlt, die in ihrer Aura durchaus etwas von einer sich selbst in den Rausch spielenden Doom-Emminez hat. Gelegentlich bittet Scheidt um etwas mehr Licht auf der Bühne und starrt dann ins Publikum, bis auch die letzten Gesprächsfunken verstummen und alle Blicke auf ihm ruhen. Das Publikum frisst dem 44 jährigen aus der Hand. Yob liefern dafür eine Show nahe der Perfektion, die sich beinahe ausnahmslos auf die Stärke der aktuellen, grandiosen Platte ‚Clearing The Path To Ascend‚ verlässt.

Auch die den Abend eröffnenden Pallbearer kommen mit einem brillanten Album in der Hinterhand erstmals nach Wien. Genau genommen ist ‚Foundations of Burden‚ das zweite Meisterwerk nach ‚Sorrow and Extinction‚ – und eine wohldosierte Selist-Schnittmenge aus den beiden Platten wird an diesem Abend endgültig zeigen, dass das Quartett aus Little Rock neben den modernen Klassikern von 2012 auch einige der Genre-Songs des Jahres 2014 vorgelegt hat: ‚Worlds Apart‚ oder ‚The Ghost I Used to Be‚ strahlen als vielschichtige Brocken und sorgen mit zeitlosen Schönheiten wie ‚Foreigner‚ für zahlreiche Gänsehautmomente. Die Band spielt sie konzentriert und wirkt dabei beinahe introvertiert, nur Joseph D. Rowland am Bass fällt mit seiner Nate Newton‚esken, aggressiv-groovenden Spielweise aus dem stoischen Rahmen und gleitet in atemloser Versiertheite über das Griffbrett (überhaupt zeigt sich auf der Bühne noch einmal in aller Deutlichkeit, welch grandiose Techniker die Musiker Pallbearer durch und durch doch sind).
Als Rowland am Ende des Sets der Gitarrengurt an beiden Seiten reißt, steht ihm der Ärger ins Gesicht geschrieben, während er das Malheur gleichzeitig zu beheben und umständlich weiterzuspielen versucht. Trotzdem: zu bemängeln gibt es nach den fünf, nah an den Studioversionen gespielten Songs kaum etwas. Brett Campbells Vocals gehen vielleicht etwas zu sehr im Mix unter, den majestätischen Glanz der Studiowerke und den unbedingten Druck der nachfolgenden Hauptband, die imposante Präsenz von Yob strahlen Pallbearer auf der Bühne zumindest an diesem Abend nicht aus.

YOB Live 2

Dafür sitzt während des knapp eineinhalb stündigen Sets von Yob aber auch beinahe jedes Detail zu perfekt. Das beginnt beim Sound (der um gefühlte fünf Schichten massiver und detailierter daherkommt als noch jener von Pallbearer, die optimale Balance kraftvoll findet und der kleinen, gut gefüllten – aber angesichts des allgemeinen Lobgesangs auf die beiden Bands derzeit überraschenderweise nicht gesteckt vollen – Dreiklang-Arena wuchtige Blumen streut), setzt sich bei der Performance fort (alleine Mike Scheidt zuzusehen ist eine reine Freude: wie er mal die Hände hochreißt und sich wie ein monströser Biker-Triumphator in kindlicher Freude feiern lässt, mit stechendem Blick die Zunge kreisen lässt und dabei ein klein wenig psychotisch wirkt, bei wilden Mattenschüttelpassagen regelrecht einschüchternd  Platz einnimmt, oder dazwischen mit seiner Band wie in Trance in die Songs eintaucht) und inkludiert auch die Setlistauswahl: Nach dem 1994er Opener von ‚Ball of Molten Lead‚ spielen Yob das wenige Wochen alte ‚Clearing The Path To Ascend‚ am Stück und toppen die Platte in diesem Umfeld mühelos. Vor allem das noch einmal aggressiver daherkommende, perkussiv nach vorne gepeitschte ‚Nothing To Win‚ und die ausladende Schönheit von ‚Marrow‚ begeistern mit schier ekstatischer Wirkung.
Wenn auch wohl nur aus Zeitmangel verzichtet die Band dazu nach dem fetzenden ‚Quantum Mystic‚ als Closer auch dankenswerterweise auf eine Zugabe – das i-Tüpfelchen einer erfüllenden und auf positive Weise hungrig hinterlassenden Setlist. So geht unter dem Strich ein restlos zufrieden hinterlassender Doom-Metal-Abend zu Ende. Inklusive Erkenntniszuwachs. Denn mögen die Studioalben da auch bereits gegenteiliges in Aussicht stellen: die Thronübergabe beim Gipfeltreffen der Generationen hat zumindest im Livegewand (noch) nicht stattgefunden.

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1 KommentarKommentieren

  • jürgen - 8. Oktober 2014 Antworten

    das konzert von yob war saufett 🙂 unglaublich wie das live funkt(ioniert)

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