2025: 30 EPs

von am 29. Dezember 2025 in Featured, Jahrescharts 2025

2025: 30 EPs

Gleich vorab: Natürlich hätten sich alleine schon vor allem Bull Nakano und xWeaponx an dieser Stelle eine Positionierung für ihre herausragenden Kurzformate verdient gehabt. Weil nominelle Demos bei der alljährlichen EP-Liste aber (zugegeben mal mehr, mal weniger konsequent) ausgeklammert werden, bleiben diese beiden Schmuckstücke an dieser Stelle jedoch im Filter stecken.

Ebenso keinen Platz in diesem Rampenlicht für 30 EPs finden Split-Releases und offenkundige Singles – obwohl gerade letztere durch Marilyn Manson, Limp Bizkit und Dolly Parton einigen Traffic auf der Seite generiert haben. Dafür finden sich zwei Drittel des von Dean Blunt & Elias Rønnenfelt, Cult of Luna sowie Car Bomb erklommenden Extended Play-Aufrufzahlen-Siegertreppchens auf Heavy Pop im folgenden Nicht-Ranking wieder.

| HM | EPs | 50 – 41 | 40 – 31 | 30 – 21 | 20 – 11 | 10 – 01 | Playlisten |

At First, At First - The Courage of Shutting UpAt First, At First – The Courage of Shutting Up

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At First, At First beherrschen die harsche Schönheit schneidender Screamo-Attacken auch dank einer hervorragende Schlagzeugarbeit aus dem Stand heraus mit entfesselter Prägnanz, fesseln aber doch dann am herausragendsten, wenn sie den Midwest Emo als Postrock in ihren Sound einweben, oder sich melodisch sogar vage an die Harmonien von 00er-Bands wie Funeral for a Friend anlehnen.

Big Thief - Passional RelationsBig Thief – Passional Relations

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Trotz eines Highlights wie Los Angeles haben Big Thief mit der Zäsur Double Infinity unerwarteterweise erstmals ein vergleichsweise enttäuschendes Album abgeliefert.
Auf der (für den guten Zweck exklusiv auf der eigenen Website veröffentlichten) Resteverwertung Passional Relations ist die Welt der Band aber noch gewohnt in Ordnung.

Birth and LossBirth and Loss – Birth and Loss

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Grindcore-Meister Takafumi Matsubara hat 2025 den Wurzeln von Gridlink ein perfektionistisches Facelift verpasst und das Leben nach dem Ende der Allstars mit neuem Frontmann auf Schiene gebracht.
Am spannendsten – weil im Windschatten von Swarrrm so eigenwillig und auch ein wenig schrullig angelegt – war aber dennoch sein Neustart mit Birth and Loss.

Bedlam Bedrest - To My Dearest Friend,Bedlam Bedrest – To My Dearest Friend,

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Gerade einmal elf Tage war 2025 alt, als eine der vielversprechendsten Screamo-Bands dieser Tage mit ihrem 9 Minuten kompakten, dabei aber schon so vielschichtigen Debüt vorstellig wurden.
Wie gut Bedlam Bedrest tatsächlich sind, ließ sich in weiterer Folge übrigens daran ablesen, dass To My Dearest Friend, selbst in einer Flut hochklassigen Jahrgangs-Veröffentlichungen stets ein Highlight geblieben ist. Traurig also, dass diese Startrampe als Epitaph dienen wird: Das Quartett hat kurz vor der Veröffentlichung dieser Zeilen ihr letztes Konzert gespielt.

Dean Blunt & Elias Rønnenfelt - LucreDean Blunt & Elias Rønnenfelt – Lucre

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Auf sich alleine gestellt neigt Elias Bender Rønnenfelt – das beweisen in der Zeit nach Iceage sowohl das gute Solodebüt Heavy Glory als auch der sogar noch ein bisschen bessere Nachfolger Speak Daggers – dazu, durch eine relative Unverbindlichkeit nicht ganz auf den Punkt zu finden.
Mit anderen kreativen Reibungspunkten blüht der Däne jedoch auf. Und am kongenialsten passiert dies immer, wenn er mit Dean Blunt zusammenarbeitet.

Car Bomb - Tiles Whisper DreamsCar Bomb – Tiles Whisper Dreams

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Der Nachfolger von Mordial ist nach sechs Jahren immer noch nicht fertig.
Durch die relativ straighte Zugänglichkeit von Tiles Whisper Dreams wird die Wartezeit aber zumindest mit einem präzisen Mathcore-Schlag derart kurzweilig gestrafft, dass es den Car Bomb-Fan nur mit der Zunge schnalzen lässt.

Crowquill - CrowquillCrowquill – Crowquill

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An richtig guten, geradezu altmodisch aus der Zeit gefallenen Metalcore-Veröffentlichungen – gerade aus Großbritannien – gab es heuer (ausgerechnet im Jahr der superben Poison the Well-Rückkehr!) wahrlich keinen Mangel.
Aus der Riege der Newcomer haben sich dabei vor allem Crowquill mit einer selbstbetitelten als veritabler Rohdiamant der Szene positioniert.

Cut Cult - First ThreeCut Cult – First Three

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Man kommt vielleicht wegen der Besetzung zum Cut Cult, bleibt aber wegen der Musik. Immerhin vermittelt die einen ziemlich gute Vorstellung davon, wie Fuck Buttons geklungen hätten können, wenn das Duo eine andere Abzweigung nehmend eine Rockband geworden wäre.
Das zeigt auf dieser ersten Vorstellungsrunde durchaus das Potential, um sich der Bewegung nachhaltig anzuschließen.

Elbow - AUDIO VERTIGO ECHO elbow EP5Elbow – Audio Vertigo Echo: Elbow EP5

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Der Hit Adrianna Again will seit über einem Jahr nicht aus den Gehörgängen verschwinden. Doch das eigentliche Juwel dieses Audio Vertigo-Nachhalls ist Sober, auf dem die unfehlbaren Elbow ihre Trademarks einsetzen, als wären die Briten plötzlich LCD Soundsystem.

Elder - Liminality Dream State ReturnElder – Liminality / Dream State Return

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Elder wollen keine alten Ideen zu den Arbeiten an ihrem neuen Studioalbum mitschleppen und machen deswegen gewissermaßen einen Frühjahrsputz, der noch einen funkelnden Schatz zu Tage fördert: die nunmehr fertiggestellte Suite Liminality / Dream State Return stellt tatsächlich sogar eine waschechtes Karriere-Sternstunde dar.

Ethel Cain – Perverts

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Ja klar, Willoughby Tucker, I’ll Always Love You war mindestens ebenso toll, wie die unmotivierte Fehde mit Lana Del Rey in ihrer Harmlosigkeit penetrant auf den Geist ging.
Bleiben wird von Ethel Cain im Jahr 2025 aber vor allem Punish – der schönste Song, den die 27 jährige Hayden Silas Anhedönia bisher geschrieben hat…und dann auf einer nominellen EP inmitten von dunklen Drone-Ambient-Klanginstallationen gebettet hat, die durch 87 mäandernde Minuten hinweg eine längere Laufzeit hat, als die meisten Studioalbum.

God Complex - He Watches in SilenceGod Complex – He Watches in Silence

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Kurz und schmerzvoll: Die nicht mehr für möglich gehaltene Rückkehr von God Complex war dann doch das merklich beste, was dem Metalcore in den jüngsten 12 Monaten widerfahren ist.
Auch, wenn man nur das eigene Schaffen als Kontext heranzieht: He Watches in Silence spielt nochmal eine Liga höher als es Created Sick und To Decay In A Deathless bereits taten. Der Jänner kann insofern gar nicht früh genug kommen.

Ghais Guevera - A Quest to Self-MythologizeGhais Guevera – A Quest to Self-Mythologize

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Das im August veröffentlichte Full Goyard hat Jaja Gha’is Robinson wieder einkassiert, die Hälfte des dortigen Materials recycelt, und daraus A Quest to Self-Mythologize gebastelt.
Die Beweggründe dafür bleiben zwar im Dunkeln. Fraglos klar hingegen ist, dass Rohdiamant Ghais Guevara so auch abseits der Langspieler Goyard Ibn Said und The Other 2/5ths or: The Absolutely True Diary of a Part-Time Trench Baby markante Spuren im Rap-Game 2025 hinterlassen hat.

Evelyn Gray - I wanted to put the sun in the sky so here it is!Evelyn Gray – I wanted to put the sun in the sky so here it is!

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Nach der ersten Single Hang On In There Baby nimmt das Leben von Evelyn Gray nach dem unvermittelten Ende der großartigen Tapir! mit den wundervoll archaisch eingefangenen, weich-rustikalen Indie Folk-Schönheiten von I wanted to put the sun in the sky so here it is! schnell an behaglich einnehmender Fahrt auf – wie im Titelsong gar über fast elf Minuten hinweg.

The Jesus Lizard - FluxThe Jesus Lizard – Flux

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Das Comeback-Album Rack war ziemlich stark – und die drei noch aus denselben Sessions stammenden nachgereichten Songs von Flux steht dem dortigen Material in praktisch Nichts nach.
Womit den Noiserock-Ikonen von The Jesus Lizard auch ein rares Beispiel für ein rundum essentielles Record Store Day-Release gelingt.

Many Eyes - CombustMany Eyes – Combust

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Nach einem ernüchternden Start mit dem selbstbetitelten ersten Many Eyes-Album schafft Keith Buckley mit Combust eine Art Reboot für seine inzwischen auch gar nicht mehr so neue Band und zieht an den ehemaligen Kollegen Many Lovers sowie (den stilistisch ohnedies anderswohin ziehenden) Atomic Rule im Post-Every Time I Die-Schlachtfeld vorbei: Songs wie das Aushängeschild The Clock Behind All Other Clocks sind von der Güteklasse, die jene hohen Ansprüche stemmen, die man an einen der besten Sänger der Genres stellt.

Nabeel (نبيل) - Ghayoom (غيوم)Nabeel (نبيل) – Ghayoom (غيوم)

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Arabischer Shoegaze aus Harrisonburg, Virginia – oder „iraqi indie 4 all“. Das ist letztlich auch auf der langen, aber kurzweiligen EP ghayoom – غيوم weniger exotisch, als man annehmen würde. Stattdessen bleibt Yasir Razak einem relativ konventionellen Genre-Werk treu, schafft es durch die individuelle kulturelle Schraffur im stets überdurchschnittlichen Songwriting aber auch diesmal, prägnante Eindrücke zu hinterlassen, die sein unlängst erstmals über den großen Teich gekommenes Projekt aus der Masse hervorhebt.

Tujiko Noriko - Echoes on the HemTujiko Noriko – Echoes on the Hem

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Es bleibt zu hoffen, dass Tujiko Noriko bei ihrer (den Fan grundlegend eher ratlos machenden) Suche nach einem AI-Rapper für ihre Musik niemals fündig wird – und stattdessen weiterhin die Zeit findet, um zu verträumten, naturalistischen Drones mit halluzinierendem… AI-Erzähler transzendent wegzudösen.

Ostraca - EventualitiesOstraca – Eventualities

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Ostraca selbst sehen Eventualities wohl als Album – obgleich der Platte dabei zwei Songs beziehungsweise rund zehn Minuten Spielzeit zum bisher gängigen Umfang eines „Lang“spielers der Band fehlen würden.
So oder so: Wir haben es hier mit dem vorläufigen Diskografie-Zenit der Richmond-Gruppe zu tun – und Song for a Closed Door ist womöglich szeneübergreifend der ganzheitlichste Hybrid aus Screamo und Postrock da draußen.

Panopticon - The Poppies Bloom for No KingPanopticon – The Poppies Bloom for No King

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Es geht schon klar, dass Austin Lunn auch gerne ein Folk-Musiker wäre. Nur wenn er sich jedoch auf seine Kernkompetenzen besinnt, liefert er eine Meisterleistung nach der anderen. Oder: Eindrucksvoller als das herrlich aggressive, mit dem Postrock flirtende The Poppies Bloom for No King hat in diesem Atmospheric Black Metal Jahr wohl nur die Compilation Songs of Hiraeth aufgezeigt.

Saetia - TendrilsSaetia – Tendrils

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Wer von der Comeback-EP Saetias erwartet, dass die Screamo-Legenden darauf nahtlos das Vermächtnis ihres ersten Lebens aufnehmen, dürfte von Tendrils enttäuscht werden. Nicht aber all jene, die damit leben können, das sich die Band ohne Jamie Beharr im Post Hardcore erfolgreich neu erfunden hat – und damit phasenweise wie die Erfüllung jener Versprechen gilt, die die At the Drive-In-Reunion nicht halten konnte.

Mitch Sanders - SaloonMitch Sanders – Saloon

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Ellen is about feeling isolated in the new beginnings of a relationship, feeling out of place in unknown territories, but safe in the beauty and company of someone new.“ So beschreibt Mitch Sanders die Hintergründe des besagten Openers seiner zweiten EP, fasst damit aber die Grundstimmung von Saloon auch im Ganzen gut zusammen. Wehmut und Euphorie liegen in diesem nachdenklichen Beobachten tatsächlich nahe beeinander, die Ohrwürmer führen in den Bang Bang Club.
Tricky ist bereits Fan – der Rest der Welt solte bald folgen.

She’s Green - ChrysalisShe’s Green – Chrysalis

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She’s Green können mit ihrer zweiten EP nicht ganz das Niveau der ersten – Wisteriq – halten und haben zudem weiterhin kein Interesse an Originalitätspreisen. Was aber beides egal ist: Betörend verträumt shoegazenden Indierock kann aktuell kaum sonst jemand aus dieser Generation derart verführerisch wie die junge Band aus Minneapolis.

Suffering Hour – Impelling Rebirth

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Impelling Rebirth verschiebt den Sound von Suffering Hour in bestechend kompakter Form weiter hin zum dissonat thrashenden Death und Black Metal, macht Assoziationen zu Deathspell Omega, Voivod oder Gorguts und Vektor unumgänglich. Ein manischer Rausch, in dem man den Goth-Faktor von The Cyclic Reckoning kaum vermisst – alleine schon wegen des spektakulären Abgangs, den Inexorable Downfall hinlegt.

Sunn O))) - Eternity's Pillars / Raise the Chalice & ReverentialSunn O))) – Eternity’s Pillars / Raise the Chalice & Reverential

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Das Triptychon Eternity’s Pillars, Raise the Chalice und Reverential entfernt sich natürlich keinen Millimeter aus dem patentierten Drone Metal-Hohheitsgebiet, das Sunn O))) offenkundig wohl auch im Schlaf mühelos beherrschen würden. Weil Stephen O’Malley und Greg Anderson dies aber weiterhin so viel besser und intensiver zelebrieren, als praktisch die gesamte Nicht-Konkurrenz im Genre, sind die 30 Minuten hier ganz unüberraschend exakt von jener Güteklasse, die der Live-Umsetzung ausgesetzte Konsumenten direkt in die Ohnmacht fallen lassen kann.

Sunrot - PassagesSunrot – Passages

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Sunrot balancieren ihren Sludge auf Passages mit einem Mehr an weitschweifender Atmosphäre und elektronischen Ambient-Bindemitteln auf. Wofür die niemals vor Kooperationen zurückschreckende Gang sich diesmal Besuch von Full of Hell und Cloud Rat einlädt.

Theophonos – Banishment

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Die Rasanz, mit der Jimmy Hamzey in das Jahr gestartet ist, war mittels eines tollen dritten TheophonosAlbums und einer noch besseren EP ebenso beachtlich, wie die darauf einsetzenden Online-Diskussionen on dabei eingesetzten AI-Artworks das Momentum ausbremsten.
Da hilft nur der Blick nach vorne: der nächste Serpent Column-Langspieler steht (mit fraglos starkem Cover) bereits in den Startlöchern.

Uboa - All the Dead Melt Down as RainUboa – All the Dead Melt Down as Rain

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Schon absurd, so etwas nach der 2024er-Großtat Impossible Light guten Gewissens feststelle zu können, aber für die halbe Stunde von All the Dead Melt Down as Rain wächst die Death Industrial/ Dark-Noise-Meisterin Xandra Metcalfe über sich hinaus.
Da kann man es dann auch durchaus verzeihen, dass die Whitehorse-Kollaboration The Dissolution of Eternity (trotz einer glanzvollen Uboa-Präsenz!) eher enttäuschend ausgefallen und die dritte von drei angekündigten Veröffentlichungen für 2025 ausgeblieben ist.

The Waeve - Eternal EPThe Waeve – Eternal EP

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Blur-Gitarrist Graham Coxon und Ex-The Pipettes-Sängerin Rose Elinor Dougall haben 2025 zwar erstmals seit ihrem Debüt als The Waeve keine Zeit für ein neues Album gefunden, dafür aber aber neben den City Lights Sessions ihre drei mitunter besten Songs bisher auf die Eternal EP gepackt.

Werewolf EtiquetteWerewolf Etiquette – Werewolf Etiquette

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Gut, um restlos auf Augenhöhe mit Mother Tongue zu kommen, fehlen Werewolf Etiquette zumindest weniger auf Kontraste zugespitzte Strukturen im Songwriting.
Nicht trotz, sondern gerade auch wegen dieses kleinen Schönheitsfehlers erzeugt das neue Projekt von Davo Gould aber eine solche Dynamik und Energie, ist wild und trägt diese Unberechenbarkeit in sich, die von der minimalistischen Duo-Besetzung befeuert von einem ständigen Gefühl der Vertrautheit überall hin führen könnte.

| HM | EPs | 50 – 41 | 40 – 31 | 30 – 21 | 20 – 11 | 10 – 01 | Playlisten |

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