Chuck Ragan – Live at Skaters Palace

von am 3. Februar 2014 in Livealbum

Chuck Ragan – Live at Skaters Palace

Mittlerweile umfasst die Solo-Discographie von Chuck Ragan gefühltermaßen bereits doppelt so viele Konzertmitschnitte wie Studiowerke. Gerade bei dem Hot Water Music-Frontman natürlich eine feine  Sache – und im Fall von ‚Live at Skaters Palace‚ dazu ein richtiges Fanzuckerl, das man sich nur zu gerne in die Sammlung holt.

Mit Fanbrille betrachtet genügt dafür eigentlich alleine die vom Publikum enthusiastisch eingeklatschte Soloperformance des jüngsten Hot Water Music Instant-Klassikers ‚Drag My Body‚: Ragan als Einheit mit seiner Akustischen, die wacker dem schier inbrünstig aus der Seele blutenden Reibeisengesang standhält. Derart melancholisch, intim, abgekämpft und ergreifend hat man die Nummer abseits der Konzertbühnen noch nicht zu hören bekommen. Das restliche Potpourri aus Ragan-Hits verkäme da schon beinahe zum Beiwerk, wären zwischen Folkrock und Country wohnende Songs wie ‚The Boat‚, ‚Nothing Left To Prove‚, ‚Don’t Cry‚, ‚Rotterdam‚, das wunderschön ausgeleuchtete ‚Geraldine‚ oder all die anderen Herzenssongs nicht viel eher wie alte Bekannte, die man immer wieder gerne trifft.

Dazu kommt natürlich auch die insgeheime Meinung, dass Ragan selbst und ohne Hot Water Music auf Live-Konserve immer schon ein klein wenig unmittelbarer funktioniert hat als auf den Studioproduktionen. Es wird also spannend sein zu beobachten inwiefern sich das in die Setlist eingeschlichene und bereits von der ‚The Revival Tour 2011 Collection‚ bekannte ‚Bedroll Lullaby‚ als adäquater Ausblick auf das heiß erwartete und hochkarätig besuchte vierte Album ‚Till Midnight‚ (Blind Melon-Mann Christopher Thorn hat produziert, Rami Jaffe, Ben Nichols, Dave Hause und Mitglieder von Drag the River gaben sich die Klinke in die Hand) erweisen wird: ‚Live at the Skaters Palace‚ zeigt den Song jedenfalls in einer deutlich kraftvolleren Americana-Version als bisher, mit rumpelndem Schlagzeug und einer noch jubilierenderer Mundharmonika, funktioniert hier zumindest schon einmal weniger ambivalent als der andere bereits bekannte Vorbote ‚Non Typical‚.

Wobei: „rumpelndes Schlagzeug„? Richtig gelesen. Für den Auftritt beim Uncle M-Hauptquartier hat sich Ragan neben seinen alten Spezis Jon Gaunt und Joe Ginsberg eine hochkarätige Backingband in voller Montur besorgt: Todd Beene von Lucero an der Pedal Steel Guitar und Social Distortion-Schlagwerker Dave Hidalgo Jr. an den Drums. Dazu gesellen sich noch Tim Vantol, Paper Arms-Sänger Josh Mann und PJ Bond als Gäste, was ‚Live at Skaters Palace‚ dann neben der unaufgeblasenen Direktheit der ungeschönten Produktion alleine soundtechnisch (ja, man darf nicht nur beim grandios schwelgenden ‚Do What You Do‚ an reduziertere, raubeinigere Wilco denken!) ohnedies ein Alleinstellungsmerkmal in die Live-Discographie von Ragan einräumt und gerade auch wegen seiner authentisch eingefangenen Atmosphäre all jene beneiden lässt, die diesem Bandspektakel um Ragan im August 2013 in Münster tatsächlich beiwohnen durften. Umso erfreulicher natürlich, dass hier die Tonbänder angeschmissen wurden: ‚Live at Skater Palace‚ erscheint als reine Doppel LP-Vinylveröffentlichung, streng limitiert (500 Stück hellblau / 1000 Stück schwarz), ohne Downloadcode. Ein Liebhaberstück also, durch und durch- von Fans, für Fans.

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