Conan – Blood Eagle

von am 4. März 2014 in Album

Conan – Blood Eagle

Es geht noch drückender als auf dem 2011er Monolithen ‚Monnos‚: die Liverpooler Doomwalze Conan zieht endgültig alle Fensterläden zu und schleppt sich mit brachialer Urgewalt durch einen 6 Songs langen Kriegsmarsch von einem beeindruckenden Slo-Motion-Ungetüm.

Conan wissen seit jeher: diesem Bandnamen muss man markerschütternde Taten folgen lassen – und die Engländer tun es auch diesmal mit einem barbarischen Album, das klingt wie ein brennendes Schlachtfeld in stockdunkler Nacht, bedrohlich aufragend und angsteinflößend bebend. Weit unter der Eroberfläche graben monumental entschleunigte Zeitlupenriffs, monströs mahlende Rhythmen verschieben die Kontinentalplatten hartnäckig, und der stets monoton aus der zweiten Reihe geschriene Gesang von Bandkopf Jon Davis und (des mittlerweile durch  Chris Fielding ersetzten) Bassist Phil Coumbe skandiert als apokalyptische Fanfare den Griff zu archaischen Waffen.

Wie Pallbearer ohne Melodien oder Sunn O)) auf einem Streitross: lavaartiger Schwergewicht-Doom in dröhnender Reinform, der das englische Trio spätestens ab ‚Monnos‚ in die erste Liga der Tieftöner getragen hat. Über die knapp 10 Minuten des finster hämmernden, eröffnenden Ungetüms ‚Crown of Talos‚ stellen Davis und seine Armee dann auch unmissverständlich klar: Conan bleiben Conan – eine der absolut heaviesten Bands des Planeten – und ‚Blood Eagle‚ ist ihre persönliche, alles niederstampfende Mammutherde, unnachgiebig und majestätisch; ihr behäbiges Wall of Sound-Schlachtschiff; ihr Sturm aus unzähligen bebenden Verstärkerwänden, bis selbst die Earplugs von Electric Wizard vibrieren.

So wuchtig dass auch alles ist: insgesamt gehen Conan unter der harten Oberfläche verspielter zu Werke, weniger repetitiv, perfektionieren ihren Sound im Detail und agieren variantenreicher denn je. Durch alle Songs geistern feine Eskapaden am Schlagzeug in Form unzählicher Phrasierungen an mutmaßlich tausenden Becken hinter all der stampfenden Gewalt und am wichtigsten: der gesamte Albumfluss ist dynamischer und homogener geworden. Die spacig eingeleitete Abrissbirne ‚Total Conquest‚ ist dazu ein Paradebeispiel für die öfter genutzte Tugend, dass die Engländer immer dann am besten sind, wenn sie unerwartete Hakenschläge in der Geschwindigkeit einlegen, den Steuerknüppel wild umherreißen und letztendlich gar beim straighten Sludgerock landen, bevor ‚Foehammer‚ als punkig (!) nach vorne preschende Dampframme das Gaspedal durchdrückt und sich derart verausgabt, bis vollkommen erschöpfte Conan nach knapp fünf Minuten mit zusammengebissenen Zähnen nur noch hartnäckig durch den Feedback-Staub kriechen können.

Gravity Chasm‚ galoppiert als Kyuss-Song im Kettenhemd durch das Sky Valley und bremst sich danach selbst zum Rifforchester aus. Der Stop-and-Go-Drive von ‚Horns For Teeth‚ verbeugt sich hingebungsvoll vor Soundgarden bis hinunter in die Hölle, ‚Altar of Grief‚ gerät letztendlich über ambiente Drumlandschaften zum hypnotisch fließenden Epos mit zackig speienden Finale. Dass Conan mit elaborierten Spielzeiten umzugehen verstehen hat ja bereits der Split mit Bongripper im letzten Jahr eindrucksvoll vorgeführt – mit einem Song, der generell den Weg hin zu diesem Einstand bei Napalm Records vorgezeichnet hat: mehr Drone wabert im niederschmetternden Sound; noch beeindruckenderes Spiel am zweckdienlich gewandeten Ausnahme-Schlagzeug befeuert energisch aus dem Untergrund; die um ein Quäntchen zwingenderen Riffs fesseln und dazu eine ausgefuchstere Produktion: schwer, mächtig und zäh, ohne aber den nötigen Feinschliff vermissen zu lassen. ‚Blood Eagle‚ ist ein Fortschritt auf allen Linien: ein episches, tieffrequentes Doom-Fest, dass keine Subwoofer braucht um Magengruben auszuheben und Wände einzureißen. Conan zeigen einmal mehr: diese Band hat sich ihren Namen wahrhaftig verdient.

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