High On Fire – Luminiferous

von am 25. Juni 2015 in Album

High On Fire – Luminiferous

Matt Pike sieht auf aktuellen Promofotos nicht nur deutlich gesünder aus als die letzten Jahre über, sondern hat sich sogar dazu überreden lassen, sich permanent ein T-Shirt über den schlacksigen Körper zu werfen. Auf dem siebenten Album seiner Band bleibt dagegen  weitestgehend alles beim Alten: High in Fire zementieren mit einem wuchtigen Mehr an Melodiösität ihren Status als moderne Klassiker der Metal.

Vielleicht ist Kurt Ballou ja für High on Fire, was Flemming Rasmussen für Metallica, Rick Rubin für Slayer oder Chris Goss für Kyuss war: der (zumindest für eine gewisse Zeitspanne) schlichtweg ideale Produzent. Diese Theorie stellte ja bereits der fulminante Husarrenritt ‚De Vermis Mysteriisauf, welcher die Trademarks des Trios aus Oakland im Verbund mit dem Fachwissen des Godcity-Meisters am Regler soundtechnisch auf das nächste Niveau hob und die immensen PS von High on Fire noch reibungsloser auf den Boden brachte, als man das nicht ohnedies bereits gewohnt war. Kein Wunder also, dass Matt Pike und Co. sich nach der abgehandelten Science Fiction-Odysee des Vorgängers abermals mit Ballou zusammentaten, zumal sich dadurch die Gelegenheit für das Gespann bot noch einmal in Nuancen an den Facetten inmitten der optimierten Rahmenbedingungen zu schrauben: ‚Luminiferous‚ unterstreicht nun die ungezügelten Gitarren deutlicher, reiht die Drums ein wenig nach hinten ohne dem gesamten Instrumentarium Platz zu nehmen und addiert dem detailierten, mächtigen Klang abermals eine minimale Schippe an roher, ungestümer Wärme, ist wenn man so will weniger attackierend, als mit brodelnder Härte in sich ruhend.

Wo Kurt Ballou also weiß was die Band soundtechnisch braucht, hält auch Matt Pike das Songwriting von High on Fire frisch und spannend, ohne sich dafür wirklich aus seinen angestammten Hoheitsgebieten bewegen zu müssen. Auf ‚Luminiferous‚ korrigiert er dafür kurzerhand das Maß an catchy zündenden Hooks sowie den Doom- und Stoner-Gehalt in seinen rasenden Lemmy-im-Sludge-Strudel-Abrissbirnen dezent nach oben, gibt sich schwerfälliger malmend, ohne dafür die sportliche Agilität seiner Band anzugreifen – manch einer wird da die ersten Auswirkungen von der Sleep’schen Wiederbelebung rauslesen können. Kein völliger Trugschluss: Ein ‚The Dark Side of the Compass‚ walzt da nämlich tatsächlich so nackenbrechend wie die legendäre ehemalige band Pikes und holt hinterrücks doch noch die heulende Wüstengitarrensoli über martialisch kletternde Drums raus, während der Rhythmus so fett groovt, als wollte das Trio eine komplette Armee in Grund und Boden prügeln. ‚The Cave‚ hält mitten im Wellenspiel aus melodiöser Versöhnlichkeit und verwaschener Psychedelic den knüppeldicken Härteattacken stand, als würden sich U.S. Christmas, Neurosis und Monster Magnet darum würgen ‚Aerials‚ von System of a Down als dickflüssigen Strom covern zu dürfen.

Am anderen Ende des Spektrums hat der Opener ‚The Black Pot‚ dagegen soviel überkochenden Thrash-Dampf unter der Motorhaube, das räudige Soli hinten raus schleift die atemlose Riffstafette mit blutenden Fingern über die Ziellinie: High on Fire zelebrieren ihre furchteinflösenden Songs als geschmeidige Naturgewalten, dynamisch, hart und gnadenlos, vor allem aber auch immer um das Quäntchen eingängiger als auf dem Vorgänger. Das kompakte ‚Slave the Hive‚ knüppelt sich dabei trotzdem kurzerhand punkig in die 80er, die Präzision mit der das Trio dabei agiert ist schlicht bestialisch. Wo die Kalifornier instrumental damit perfekt in Szene gesetzt ein weiteres Mal vor Energie förmlich zu explodieren scheinen, legt auch Pike am Mikro ein weiteres Mal zu: spätestens beim getragenen ‚The Falconist‚ wächst der 43 Jährige mit seinem röhrenden Organ über sich selbst hinaus, beschwört eine solch monströse Intensität, dass die eingangs getätigten Legenden-Vergleiche für High on Fire längst in vielfacher Hinsicht greifen. „Wenn er nicht feiert, spielt er soviel besser. Er singt besser, es ist einfacher mit ihm zusammenzuarbeiten“ sagt Basser Jeff Matz über seinen Boss Pike und dessen seit ‚De Vermis Mysteriis‚ veränderten Bedingungen hinter Kulissen der seit 17 Jahren kontinuierlich abliefernder Band. Und weiter: „High on Fire sind ein einzigartiges Tier. Seine Zähne eher noch schärfer geworden„. Ein eigentlich optimales Hintergrundbild für eine Platte, die in rauschhafter Geschwindigkeit jagt, nur um sich dann auch die Zeit zu nehmen, die erlegte Beute in genüsslicher Hartnäckigkeit auszuweiden.

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