LINGUA IGNOTA – WICKED GAME

von am 9. August 2020 in Single

LINGUA IGNOTA – WICKED GAME

Kristin Hayter hat, wie Bad Boys oder Jolene in der Vergangenheit bereits gezeigt haben, ein Faible dafür, an sich bereits zu Tode gecoverte Songs zu interpretieren. Wicked Game verdeutlicht nun allerdings auch einmal mehr, dass sie diesen Spagat mit essentieller Handschrift beherrscht. 

In Quarantäne liefert LINGUA IGNOTA für den diesmonatigen Output des mittlerweile zum fixen Event gewordenen Bandcamp-Friday nach der jüngsten Archiv-Sichtung nun wieder neues Material – ihre Interpretation des Chris Isaak-Klassikers wurde erst wenige Tage vor der Veröffentlichung eingespielt.
Der Eindruck einer überhasteten Version entsteht allerdings zu keinem Zeitpunkt, im Gegenteil. Wicked Game von Hayter wird von einem pastoral über den nur eingangs fiependen Noise gleitenden Klavier getragen, schwer und erhaben. Sie intoniert dazu mit gothischer Eleganz und typisch elaboriert schwelgender Theatralik, doch alleine schon die Tiefe der melancholischen Atmosphäre macht besoffen. Hayter stützt sich später selbst noch als ihr eigener Chor, Daughters-Sänger und Lebensgefährte Alexis Marshall flüstert im Refrain mit tiefem Bariton nuschelnd die sinnierendere Erdung. Zwar schwingt sich LINGUA IGNOTA immer flehender in exaltierte Höhen, während die dekonstruierten Erinnerungen an Pendereckis Threnody for the Victims of Hiroshima vage angedeutet (auch als doppelter Lynch-Gruß von Sailor und Lula nach Twin Peaks) um die Ecke schielen.
Doch zu keinem Zeitpunkt bürstet Hayter die Nummer auf eine Hässlichkeit oder ausschweifende Kunstfertigkeit, sie badet vielmehr schwermütig in der Eleganz und zeitlose Grandezza der Komposition, eher ehrfürchtig als brav und zahm. Was dieser Version einerseits eine erfrischende Nahbarkeit und emotionale Direktheit im Kontext des restlichen LINGUA IGNOTA-Kanons verleiht, aber gerade auch im Wissen um die mentale Stabilität von Marshall und Hayter eine erschütternde Dimension überstülpt, wenn die hier finalen Worte dieser unsterblichen Hymne nachhallen: „The world was on fire/ And no-one could save me but you.“

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