Metz – Automat

von am 19. Juli 2019 in Compilation

Metz – Automat

Nach dem vielversprechend neue Perspektiven aufzeigenden Drittwerk Strange Peace will eigentlich alle (Noiserock-)Welt wissen, wie es mit Metz weitergeht. Die Kanadier nehmen sich jedoch erst einmal die Zeit, mit Automat Material ihrer weniger prominenten Anfänge und Nebenschauplätzen zu versammeln.

Was bei derartigen Compilations, deren Existenzberechtigung im Idealfall ja eigentlich immer auch eine dem Archivar entgegenkommende Möglichkeit zum Komplettisten-Dasein darstellen sollte, ärgerlich sein kann, ist eine potentielle Unvollständigkeit – etwaige fehlende Sampler-Aufnahmen, übersehene Raritäten oder vergessene B-Seiten beispielsweise, die dann verhindern, quasi in einem Aufwasch alles Material abseits der Studioalben versammelt zu bekommen.
Das Malheur kommt im (digitalen) Falle von Automat insofern gleich hausgeliefert: „Consumers of the vinyl format of Automat will be rewarded with a bonus single that includes three additional tracks: a cover of Sparklehorse’s “Pig,” from a very limited 2012 Record Store Day split single originally released by Toronto’s Sonic Boom record shop; “I’m a Bug,” a cover of The Urinals’ art-punk classic, originally released on YouTube (not an actual record label) in 2014; and METZ’s previously unreleased rendition of Gary Numan’s “M.E.” informiert der Beipackzettel. Abseits davon fehlt aber beispielsweise auch/sogar die Sub Pop-Single Escalator Teeth/ On and On aus dem September 2018 – wirklich ärgerlich.

Was versammelt die Compilation dann also grundsätzlich? Nun: „Automat is a collection of METZ non-album singles, B-sides, and rarities dating back to 2009, available on LP for the first time, and including the band’s long out-of-print early (pre-Sub Pop) recordings. And Automat is a chronological trip through the lesser known material of METZ. Included here are the band’s first three 7” singles, recorded 2009-2010 and originally released by We Are Busy Bodies Records; a demo version of “Wet Blanket,” the explosive single from 2012’s METZ; two tracks from the limited-edition bonus single that accompanied preorders of METZ; “Can’t Understand,” originally released in 2013 by [adult swim]; and both tracks from the band’s 2015 single on Three One G.“ Alles klar.
Wichtiger als die quantitative Seite ist aber wohl ohnedies die qualitative. Und hier überzeugt das stimmungsvoll als homogenes Ganzes funktionierende Automat im Remaster-Sound von Matthew Barnhart dann auch, selbst wenn die meisten Nummern kompositionell das letzte Quäntchen an herausragendem Geistesblitz fehlen, das die Band sonst im besten Fall provozieren kann. Ohne übergeordneten Spannungsbogen ist das Niveau von Automat deswegen wirklich eher Nebenschauplatz als Hauptbühne, allerdings nichtsdestotrotz ein feines Sammelsurium für Fans, das direkt abholt.

Gleich Soft Whiteout pflegt schließlich nervös scheppernd, roh und gegen den Strich auf Krawall gebürstet den typischen Noisesrock der Band, ersäuft irgendwann beinahe im Feedback und ist trotzdem irgendwie catchy. Lump Sums bratzt und rauscht übersteuert, pulsiert aus dem Hall heulend, schält sich aus diesem Kokon für den dicht pressenden Groove und ist eine sedierte kleine Bestie. Mit seinem schnepfend-schabenden Bass pendelt Dry Up zwischen Lauerstellung und eingängigen Tumult, wo auch Ripped on the Fence steht der rostige Fleischwolf näher steht, als der deklarierte Hit – aus der Angriffszone ist dieser aber selbst dann nicht, wenn die Nummer als Jam strawanzen geht und sogar ätherische Chöre findet. Wohl das Highlight der Platte, die an sich nichts falsch macht, hinter dem Signature Sound höchstens nicht derart viele nachhaltig erinnerungswürdige Szenen bietet wie I, II und Strange Piece.
Durchaus symptomatisch, dass das räudige Negative Space (7 inch version) und Wet Blanket (Demo) als noch räudigere, dringlichere Ur-Versionen alter Gassenhauer am unmittelbarsten zünden und sogar ein bisschen Euphorie entfachend mitreißen.

Grundlegend ist es nämlich eher die Ästhetik, Attitüde und Haltung von Automat, all die stilistischen Trademarks von Metz als treffsichere Genre-Kompetenz an sich, die hier in ihren Bann schlagen – weniger das rundum gute Songwriting an sich.
Der schmissig twistende Titelsong orientiert sich so latent am Postpunk, Richtung Preoccupations ungefähr. Dirty Shirt zelebriert einen Punkrock mit fieser Gitarre und hinterhältigem Gespür für Melodien, Can’t Understand kennt die selbe Proto-Garage wie The Men und Pure Auto dafür Fugazi.
Leave Me Out läuft wie vieles stimmungsvoll schwitzend vorbei, ohne wirklich zwingend zu werden, und Eraser macht es sich als polternd-hartnäckiger Ohrwurm mit seinem simpel-repetitiven Refrain vielleicht zu einfach macht. Egal – als Fan wird man sich über die versammelten 44 Minuten freuen, ohne sie gleich auf die essentiellste Empore des Kanons zu hieven. Das rundum gelungene Material ist eher die bestmögliche Art, um die Wartezeit auf den Nachfolger zu Strange Peace so kurzweilig wie möglich zu halten.
Die wichtigste Nachricht versteckt Automat insofern übrigens im Kleingedruckten: „METZ are currently hard at work on their 4th full-length LP which will be released on Sub Pop when we are all damn good and ready.“ Yeah!

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