Mono – Beyond the Past • Live in London with the Platinum Anniversary Orchestra

von am 22. März 2021 in Soundtrack

Mono – Beyond the Past • Live in London with the Platinum Anniversary Orchestra

Beyond the Past • Live in London With the Platinum Anniversary Orchestra rundet den mit Before the Past • Live From Electrical Audio geschlossenen Kreis um das Mono-Jubiläumsjahr 2019 ab.

Die japanischen Postrock-Veteranen waren an jedem 14. Dezember auf ihrer 20 Year Anniversary Tour in der Barbican Hall von London – neben dem allgegenwärtigen The Platinum Anniversary Orchestra – nicht alleine: Jo Quail veredelte erst Halcyon (Beautiful Days), indem der orchestrale Bogen als gleißender Mahlstrom in eine zauberhafte Symbiose aus Reverb-Katharsis und Score Epiphanie kippt, bevor die Cello-Virtuosin neben A.A. Williams auch im abschließenden Com(?) (was sich lange als Standard begnügt, jedoch nach und nach die Schrauben eng zieht und sich zu einem 20 minütigen Behemoth auswächst) als Doppelsitze am Streicherinstrument sitzt.
A.A. Williams sorgt davor, zum Einstieg in die Zugabe, übrigens bereits für  das Highlight der Show: Exit in Darkness ist nicht nur der ergreifende und emotionale Höhepunkt der Setlist, sondern auch ein ausnahmsweise unorthodoxes Mosaikteil einer etwas zu konventionellen Materialsammlung: Sechs Songs des Konzertes stammen vom damals neuen (und auch heute noch aktuellen) Nowhere Now Here, dazu gibt es jeweil einen auf Nummer Sicher gehend gewählten Song von den Alben For My Parents, Hymn to the Immortal Wind, One Step More and You Die, Requiem for Hell sowie Walking Cloud and Deep Red Sky, Flag Fluttered and the Sun Shined – und eben die Premiere des für Exklusivität sorgenden Titelstücks der Kooperation Exit in Darkness, das hier erschöpfender und eindringlicher, auch aufgrund der Schlagzeugarbeit interessanter als in der Studioversion aufbereitet wurde.

Die Nummern des rundum guten Nowhere Now Here gewinnen live übrigens am deutlichsten an Strahlkraft. Das herrlich monströse After You Comes the Flood bekommt an der Gitarrenfront etwas psychotisch aufreibendes, darf sich beinahe exzessiv ergehen und Spitzen verteilen. Wäre das Wesen von Mono nicht grundlegend zu kontrolliert und beherrscht, um sich tatsächlich gehen zu lassen, wäre der zu abrupte Abbruch vielleicht ekstatischen Hemmungslosigkeit gewichen. Ein Manko, das auch das folgende Breathe übernimmt. Doch selbst wenn Tamaki Kunishi auf der Bühne unterstreicht, dass sie keine geborene Sängerin ist, ist das Ergebnis stimmig, denn die Schönheit der Nummer bekommt durch die erhebende Zurückhaltung und das Fingerspitzengefühl des Platinum Anniversary Orchestra noch mehr Grandezza. Imposanter ist dann dennoch das überwältigende, hier an Godspeed You! Black Emperor angelehnte Sorrow, dem der Raum zugestanden wird, um seine monumentale Klangwelt in den luziden Rausch zu ziehen.
Daneben klang Nowhere, Now Here (der Song) womöglich niemals würdevoller und Meet Us Where the Night Ends betört als martialische Leidenschaft mit einer allgemein bestechenden Performance. Ein anbetungswürdiger Klassiker wie Ashes in the Snow erzeugt sogar Gänsehaut und steht für eine schlicht überragende Schlußphase, verdeutlicht aber auch, dass der Output von Mono in den vergangenen zehn Jahre zwar immer noch und immer wieder routiniert hohes Niveau abrufen konnte, aber eben auch nicht auf Augenhöhe mit den Kompositionen ist, die die Meisterwerke der Band ausmachen. Für die in bestechender Qualität eingefangenen, bisweilen triumphalen 111 Minuten von Beyond the Past • Live in London With the Platinum Anniversary Orchestra erscheint dies vollkommen egal.

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