Primitive Man & HELL – Split

von am 21. Februar 2019 in EP

Primitive Man & HELL – Split

Sowohl HELL (mit HELL auf Platz 30) als auch Primitive Man (mit Caustic auf Platz 6) prägten unsere Jahrescharts 2017 massiv. Knapp zwei Jahre später kommt es zum vielleicht unausweichlichen Split-Treffen der beiden Doom-Schwarzmaler.

We spoke about it for the first time I think after playing this festival called 71Grind in Colorado Springs, CO in late 2017, if memory serves me correctly.“ erinnert sich Primitive Man-Vorstand Ethan McCarthy an die lange Vorlaufzeit, die die nächste Split EP seiner Band seit der Kooperation mit Unearthly Trance vor wenigen Monaten benötigte.
Dabei unterstreichen die letztendlich versammelten 23 Minuten der beiden Bands nicht nur den Ausnahmestatus, den sich sowohl HELL als auch Primitive Man in besagtem Schicksalsjahr erarbeiteten, sondern verdeutlichen – mal subversiver, mal frontaler – auch den Evolutionsprozess, den die zwei Kombos ihrem jeweiligen Trademarksound in den vergangenen  Monaten angedeihen ließen.

Gleich am Beispiel der eröffnenden Primitive Man bewiesen: Zwei Songs in zwölf Minuten sprechen eine erstaunlich kompakte Sprache im selbstverständlich verstörend stoisch-pessimistischen Blackened Sludge-Doom-Moloch der Band, der sich wie immer menschenfeindlich gegen andere und sich selbst gerichtet hat: „One song is about the earth dying. The other song is about still finding time for revenge in the face of societal collapse“.
Oily Tears ist die patentierte Melange aus zähflüssig-konzentriertem Primitive Man-Hass mit unverkennbar guttural röchelnden McCarthy-Growls, die sich schleppend über ein wuchtiges, dissonant-schabendes Feedback malträtieren. Plötzlich aber bollert die Nummer infernal zum Death, die Instrumente scheinen mit rostigen Stacheldrähten gespannt, während Oily Tears immer wieder unberechenbar sein Tempo ändert, mal erbarmungslos tackert und dann wieder ausblutend bremst: Primitive Man haben hier eine hungrige Dynamik für ihren Signature Sound gefunden, der jede Routine geradezu tollwütig in Grund und Boden peinigt.
Ähnlich arbeitet danach auch das tektonischer kotzende Pitiful & Loathsome, das grundsätzlich sogar weniger Raum bekommt um sich auszubreiten, dies aber noch gemächlicher tut – und später ebenso im manischen Tempo eskaliert, das mit psychotischer Agonie dahinprescht.

Wo Primitive Man damit quasi die geschwindigkeitstechnischen Extreme ihres Metal testen und aufeinanderprallen lassen und verschweißen, sucht auch M.S.W. für sein Projekt HELL neue Perspektiven und findet sie jedoch in einer allgemein gewachsenen Bandbreite zwischen den Facetten der misanthropen Polen: Das knapp zehnminütige Nuumen ist eine Reise durch „crippling depression and anxiety“ und der Versuch, „to use mental illness to your advantage if you’ve decided that It won’t go away“.
Man merkt dabei im Gesamtkontext unmittelbar, dass die Songs im jeweiligen Wissen entstanden sind, welcher Band sie auf der anderen Seite dieser Split begegnen würden. M.S.W. hat schließlich einen beinahe befreiend agierenden Konterpart zum heavy, heavy, heavy, heavy (!!) Dreck von Primitive Man geschaffen, der sich weitaus weniger konzentriert verdichtet an Motiven des klassischen Doom bedient. Nuumen röhrt im direkten Vergleich sogar geradezu Lofi-artig über sein traditionsbewusstes Riff mit Headbanger-Qualitäten, das nicht nur enttäuschte Electric Wizard-Fans anziehen könnte. Für Puristen keift sich der Mann aus Salem die Stimmbänder aber wohl zu aggressiv wund, obgleich er dabei nichtsdestotrotz Momente fast schon psychedelisch sinnierender Ruhe findet, mit akustischen Gitarren ein gewisses NOLA-Feeling erzeugt.

Nuumen ist damit phasenweise trotzdem repetitiver als die beiden einleitenden Chaos-Berserker von Primitive Man, aber gleichzeitig nuancierter, vielschichtiger und abwechslungsreicher – die Balance zwischen den einzelnen Stücken ensteht jedoch nicht zuletzt durch das einheitliche Mastering von Dave Otero.
Die Feststellung, dass das versammelte Material sich nichtsdestotrotz eher wie Teaser von Zukünftigen anfühlt und sowohl HELL als auch Primitive Man (ungeachtet ihrer jeweiligen, weiterhin niemals unbeeindruckend abliefernden Veröffentlichungs-Historie) eher Bands sind, die ihre volle Gravitation erst auf auslaugende Albumlänge ausspielen, ist deswegen auch weniger Kritik, als vielmehr der hiernach nur noch dringlicher gewordene Wunsch, die Nachfolger zu Caustic und HELL serviert zu bekommen.

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