Steve Gunn – Other You

von am 12. September 2021 in Album

Steve Gunn – Other You

Rund um sein Durchbruchswerk Eyes on the Lines von 2016 war Steve Gunn mit seinem verinnerlichten Sound dennoch auch ein Getriebener, in ständiger Aufbruchstimmung und Bewegung. Für Other You scheint er nun allerdings doch noch angekommen zu sein.

Und zwar in stillere Gefilden, wo der warme Folk der 70er näher ist, als der Indierock, und Ryley Walker (nach Flops in New York irgendwo zwangsläufig) eine weitaus schlüssigere Referenz, als Kurt Vile.
Entlang einer unspektakulären Gefälligkeiten, die selten mehr als ein paar verträumte Gitarren, eine ungezwungene Rhythmusabteilung und ein nonchalant perlendes Piano benötigt, taucht Other You in eine angenehm aus der Zeit gefallene, melodiöse Nonchalance, die im besten Sinne einnehmend plätschert, ohne zu riskieren egal zu wirken. Dafür variiert Gunn zu Geschickt und versiert das Gewicht der Nuancen, ohne den in sich ruhenden Schwerpunkt zu verändern.

Im Titelsong erzeugen die Gitarren etwa blinzelnde Flächen samt klimpernden Tasten, die nach vorne gehende Rhythmusabteilung frönt dem symptomatisch entspannten Vibe, bevor es Fulton noch relaxter angehen lässt und sich ein latent knarzendes Solo gönnt. Morning Rive gibt sich ätherischer im Duett und Good Wind schmiegt sich gar wohlig in fast schon esoterische Lounge-Lavalampen-Texturen. Der leicht psychedelische Jam Ansatz am Ende von On the Way wird im nebulösen, traumwandelnd dösenden Protection ausgeschöpft: der längste Song der Platte wagt sich auch an die Grenzen der erschöpfenden Geduldsprobe, meistert diese aber mit dem nötigen Gespür für gefühlvolle Stimmungen.
Reflection agiert erst zurückgenommen und reduziert in sich gehend, dann romantisch schunkelnd und im Retroschimmer schwofend. Als ambient in der Sonne perlender Nomen-est-Omen-Morgentau ist Sugar Kiss eigentlich bereits der friedliche, alles Tempo aus dem Geschehen nehmende Abschied.

Dass der fast schmusejazziger Epilog Ever Feel That Way den Faden danach noch einmal aufnimmt ist eine Überraschung – das offenbar alles weitaus weniger sesshaft und beschaulich ist, als es wirken mag, die noch größere, wenn es heißt: „Can you help me get back home to them tonight?/ Oh, tonight/ ‚Cause I’m not in the best place in my mind/ Have you ever been there?/ When you’re not in the brightest spot in time/ Oh, in time”.
Die Gemütlichkeit dieser Platte ist also keine Langeweile, sondern wohl eher eine Sehnsucht.


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