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Swans - The Gate

Swans – The Gate

von am 14. Oktober 2015 in Livealbum, Sonstiges

Swans – The Gate

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Als Finanzierungmittel für das vierte und finale Studioalbum „dieser Inkarnation der Swans“ veröffentlicht Michael Gira abermals das mittlerweile schon zur Tradition gewordene Sammelsurium aus Livetracks und Demoausschnitten.

Gäbe es ein umgekehrt proportionales Äquivalent zum Trailer, also quasi den überlangen Rohschnitt als vorab veröffentlichte Aussicht für das Publikum auf das fertige Endprodukt, das eigentlich einen Rückblick darstellt – ‚The Gate‚ wäre wie seine indirekten Vorgänger ‚Not Here / Not Now‚ und ‚We Rose From Your Bed with the Sun in Our Head‚ abermals ein solcher geworden.
Im Klartext bedeutet dies: insgesamt 14 Songs, davon 6 Livemitschnitte (aufgenommen im Berliner Berghain) und 5 frühe Demoversionen wurden von Bandkopf Michael Gira am Mittelweg zwischen Dokumentation der letztjährigen Tour und anteasernden Eindrücken erster neuer Songskizzen über sein eigenes Label Young God Records veröffentlicht. Die Limitierung auf 2500 handnummerierte Exemplare spricht dabei eine deutliche Sprache: ‚The Gate‚ ist vor allem eine Liebhaberveröffentlichung, ein ungeschliffener Grundentwurf dessen, was nächstes Jahr zum vierzehnten Studioalbum der Swans werden wird und insofern wohl vor allem für jene akribischen Spurensucher interessant, die den Schaffensprozess hinter den Meisterwerken der Avantgarde-Institut möglichst nah mitverfolgen wollen.

Stichwort Meisterwerke: vertraut man auf das hier vorgestellte Material, dürfte das mit ‚The Seer‚ (2012) und dem sogar noch besseren ‚To Be Kind‚ (2014) installierte Niveau mühelos gehalten werden. Der schier überragende Opener ‚Frankie M‚ gibt dabei über knapp eine halbe Stunde das in Schüben anschwellende Monstrum mit kakophonischen Ausstößen, Drones und unbarmherzigen Riffs, der geübte Hörer weiß dennoch: Die Nummer zelebriert die Band ansonsten gerne noch exaltierter, weniger gezähmt.
Das 34 Minütige, aus ‚Apostate‚ herangewachsene ‚Apos / Cloud of Unforming‚ ist in diesem Stadium deswegen insofern auch ein klein wenig interessanter, als hypnotische, aufreibende, kratzbürstige Noisecollage, in dessen unzähligen Schichten man sich erst einmal zu Recht finden muss, und dessen versöhnlichem Ende man nicht trauen kann, an dem man aber gut nachvollziehen kann, wie Swans-Kompositionen sich aus der Improvisation zu voller Größe aufbäumen.
Cloud of Forgetting‚ baut dagegen relativ fokussiert ein faszinierendes Atmosphäremeer um seinen stoischen Rhythmus, besticht ab der Mitte mit seinen rauh klagenden Ausfräsungen und der immer gnadenloseren Verdichtung. Und natürlich darf man sich ein bisschen darüber wundern, dass man sich an der mittlerweile längst bekannten Gangart des Avantgarde-Songwritings und des experimentellen Sounds noch immer in keinster Weise satt an den Trademarks der Band gehört hat, sondern einmal mehr unmittelbar in die Swans’sche Welt hineingesogen wird.

Kein Moment der Platte ist allerdings derart übermächtig geraten wie jener, wenn ‚Black-Eyed Man‚ aus den dekonstruierten Ruinen von ‚Bring the Sun‚ herausplatzt, sich über ein gnadenloses Crescendo walzt und plötzlich hartnäckig groovt, als gäbe es kein Morgen: Gira grummelt und raunt wie von Sinnen, die Gitarren rotieren dissonant, der Schädel brummt vor Intensität. Verdammt. Großes. Kino.
Die bekannten ‚A Little God In My Hands‚, bombastisch neben der Spur brodelnd, und das dezent gezügelt dargebotene ‚Just a Little Boy‚ fügen sich dann wie schon bei den Liveterminen festgestellt nahtlos in diesen repetitiven Rausch der neuen Songmonolithen, wirken jedoch regelrecht kompakt gegen das neue Material, dass ohne Zweifel das Zeug dazu hat, das von Gira angekündigte „insatiable beast“ zu werden.
Da macht es auch nichts, dass der Sound des mitgeschnittenen Auftritts zwar mächtig und ungeschönt aus den Boxen drückt, aber freilich zu keinem Zeitpunkt die markerschütternde Vehemenz ausübt, die ein Swans-Konzert letztendlich zu der außerkörperlichen Erfahrung macht.
Auf Platte funktioniert deswegen der grandiose Appendix auch nachhaltiger: Nachdem sich die fünf  angehängten Demos mit gespenstisch unter die Haut gehendem Homerecording-Flair und spartanischen Instrumentarium – Gira’s Stimme und eine hoffnungslos schrammende Gitarre – begnügen, mit anderen Mitteln aber eine ebenso eindringliche, apokalyptisch-dunkle Sühne-Stimmung erzeugen, bleibt anhand dieser nahezu makellosen – wenn auch kostspieligen – Crowdfundingveröffentlichung eigentlich kein Fanwunsch offen. Außer natürlich jenem, dass das auf diesem Material beruhende Studioalbum lieber Heute als Morgen erscheinen dürfte.

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