Various Artists – Music Inspired by the Film Roma

von am 20. Februar 2019 in Sonstiges, Soundtrack

Various Artists – Music Inspired by the Film Roma

Alfonso Cuaróns Oscar-Anwärter Roma bekommt neben seiner regulären Various Artists-Songsammlung noch einen Inspired by the Film-Soundtrack mit einigen zugkräftigen US-Amerikanischen Schwergewichten verpasst.

In der Klammer aus dem stimmungsvollen Field Recordings-Intro Ciudad de México – Tepeji 21 (The Sounds of Roma) und seinem abschließenden, perkussionlastiger pfeifenden Dacapo Roma von T Bone Burnett überzeugt Pattie Smith als erstes namhaftes Kaliber mit dem atmosphärisch fliesenden, sphärisch entschleunigten Gitarrenstück Wing (irgendwo in der Nähe wehender Dylan Carlson-Prärie-Sehnsüchte), bevor der diesmal unverdient zu Ehren gekommene Grammy-Abstauber Beck durch ein gospelartiges Sea Change meets Morning Phase-Meer aus Streichern und Chören treibt: Tarantula ist eine gute B-Seite.
Die wunderbare Billie Ellis zelebriert später einmal mehr den von Bruder Finneas O’Connell zubereiteten R&B-Elektro-Zeitgeist-Pop mit Rollenspiel-Perspektive und diesmal massivem Vocoder-Einsatz und weniger Lana Del Rey-Flair, zeigt substanziell mit ihrer fragilen Emotionalität (etwa eine neue Lorde aus der Neo-Soul-Perspektive), warum man auf When We All Fall Asleep, Where Do We Go? gespannter und sehnlicher warten darf, als auf das genormte Einerlei von Szene-Kollegen – nachzuhören übrigens überraschenderweise gleich darauf beim gefälligen, aber austauschbaren Psycho von Bu Cuarón.

Nur am Papier besser als in der finalen Form ist dann auch die hibbelig-elegante Zusammenarbeit von UNKLE und Michael Kiwanuka, die mit solider Trip Hop-Grandezza in melancholischen Piano- und Streicher-Arrangements leider keine Geistesblitze über der routiniert konstruierten Drama-Blaupause zeigt.
In Marooned entwickelt EL-P seinen Trademark-Sound in Kooperation mit Wilder Zoby in Richtung anachronistischem Avantgarde-Ambient, der eventuell skizziert, wohin die Blade Runner-Vision der Run the Jewels-Hälfte eventuell hätte gehen können. Auch verdammt unspektakulär, aber durchaus einnehmend: Die träumende Elegie We Are Always Alone von DJ Shadow.

Nur selten bringt das vorhandene Potential seine PS nahtlos glänzend auf den Boden, weniger ist manchmal eben mehr. Weswegen das sparsam gezupfte, zum Salsa schwofende Con el viento auch nur eine Gitarre, Rassel und Jessie Reyez‘ Stimme benötigt, um seine Leidenschaft authentisch und eindringlich zu artikulieren.
Cumbia del borras (von Sonido Gallo Negro) darf das generell getragene Tempo hingegen ein wenig gelöster-beschwingt zum Mariachi-Flair bewegen: Eine nonchalante Tanzeinlage, die den noch näher an der Filmästhetik orientierten Eklektizismus des letzten Plattendrittels einleitet. La hora exacta (von Quique Rangel) ist schließlich eine aus der Zeit gefallene Ballade, Ibeyi adaptiert den zum Trap-Pop ausgelegten US-Markt mit Cleo Who Takes Care of You gefühlvoll. Asaf Avidan bezaubert mit Between These Hands als wundervoll pathetisch schmachtendes Klavierflehen und die zwischen Marsch und dröhnendem Gitarrenabgrund gezirkelte Those Where The Days-Interpretation von Laura Marling ist sogar noch famoser: Sie trifft die Schwarz-Weiß-Optik von Roma mit nostalgischer Präzision.

Letztendlich sind es aber ohnedies nicht herausragende Einzelsongs, anhand derer Music Inspired by the Film Roma überzeugt, als dass das multikulturell-heterogene Sammelsurium viel eher in Form eines homogen begleitenden Gesamtwerkes besticht, indem die versammelten 15 Nummern hinter dem übergreifenden Ambiente schlüssig funktionierend über 59 Minuten begleiten. Das mag insofern zwar keine per se essentielle Vertiefung darstellen – weder für Cuaróns filmisches Werk noch als Diskografie-Fußnoten der angekarrten Musiker, die hier allesamt gewissenhaft abliefern -, allerdings sehr wohl eine angenehm zu konsumierende, wohlwollende Ergänzung der Meta-Rahmenhandlung.

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