Anderson .Paak – Venice

von am 11. September 2015 in Album

Anderson .Paak – Venice

Der 29 Jährige Kalifornier Brandon Anderson Paak war der wahrscheinlich größte Gewinner auf Dr. Dres Comebackalbum ‚Compton‚. Dass sein Debütalbum unter eigenem Namen aus dem Oktober 2014 nun auch endlich seinen Weg nach Europa gefunden hat, ist insofern eine ebenso logische wie feine Konsequenz.

Die stimmliche und stilistische Vielfalt, die Anderson.Paak auf sechs ‚Compton‚-Tracks vorführte, zelebriert der Produzent, Schlagzeuger und Sänger (dem der Wechsel zwischen Drake’schem Schmusemodus, einem zurückgelehnten Sex-Feinzeichner, der auch Miguel und The Weeknd stolz machen würde und einer ähnlich entspannt fahrenden Flow-Mühelosigkeit wie Kendrik Lamar mühelos gelingt), auch auf seinem Debütalbum, treibt das Spiel mit den Stilen und Facetten aber noch wilder.
Venice‚ ist eine seinem Artwork folgende kunterbunt zusammengefügte Collage geworden. Zeitgemäßer Hip Hop mit hallendem Hit-Appeal (‚Milk N‘ Honey‚) schmiegt sich da wie selbstverständlich an (Neo-)Soul, Synthieflächen, R&B, 90s-Feeling, Dancehallmoves, Trap, Funk – eine unterkühlt pulsierende Ohrwurm-Orgie auf der Tanzfläche (‚Off The Ground‚) steht nahtlos neben Autotune-Kitsch ala ‚Drugs‚, weil alles hier reibungslos funkelt, pumpt, schmust, fliest.

Eine unbändige Leistungsschau also, die mit potentiellen Bewerbungen für Gastfeature bei Lil‘ Wayne (‚Put You On‚ oder ‚Already‚ spielen die billig klingende Charts-Klaviatur hervorragend, vor allem letzterer hat aber gleichzeitig einen herrlich abgründigen Neon-Vibe) zwar gelegentlich den Bogen zu überspannen drohen, aber durch .Paaks stimmliche, ästhetische und generelle Trittsicherheit in allen Gefilden entlang all der schmeichelnden Melodien ohne Fauxpass zusammengehalten werden.
Mehr als eine Hit of Miss-Angelegenheit ist ‚Venice‚ so ein erstaunlich rundes, vielseitiges und unterhaltsames Album geworden, das sich vor allem anhand seiner Sternstunden nachhaltig empfiehlt: ‚Miss Right‚ hat eine unheimlich einnehmende Hookline, die den Elektropop von La Roux mit der Disco von Daft Punk auf einen gemeinsamen Nennen bringt, das schwülstige Gitarrensolo ist Ehrensache. Mit sanften Akustikgitarregezupfe sehnt sich das betörende ‚I Miss That Whip‚ ala Frank Ocean nach einer zärtlichen Peitsche, ‚Get ‚Em Up‚ positioniert sich zwischen Stimmungsmacherhymne und elegischer Pianoballade, um sich noch tiefer ins Bett zu kuscheln: Wäre Ballers als RomCom konzipiert – hier wäre die neue Opening-Nummer.
Während sich Ausnahmen wie ‚Paint‚ etwas zu sehr nach 0815-Konsenschemen bewegen und 16 Songs dann doch etwas zu ausführlich in die Welt des Anderson .Paak führen, sieht sich die Erkenntnis von ‚Compton‚ hiernach dennoch beeindruckend bestätigt: Den Mann, der bisher unter dem Alias Breezy Lovejoy firmierte, muss man auf dem Radar behalten. Unbedingt.

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