Fever 333 – Strength in Numb333rs

von am 30. Januar 2019 in Album

Fever 333 – Strength in Numb333rs

Subtilität ist weiterhin ein Fremdwort für die (mittlerweile ohne The auskommende) Anti-Supergroup Fever 333: Strenght in Numb333rs klingt wie die unangenehme Mischung aus Methods of Mayhem, Linkin Park und der letzten Tom MorelloSoloplatte – zu beschämend, als dass man auf die Barrikaden steigen würde.

Gleich die auf- und abblendende Intro-Montage gräbt der Platte schließlich pflichtbewusst jedwede Authentizität ab, wenn Jason Butler vor dem gestellten Szenario einer köchelnden Protestbewegung in das Mikro einer Reporterin „Theres a motherfucking fever coming!“ brüllt. Wo Fever 333 sich in der medialen Berichterstattung ohnedies gerne als Movement präsentieren, demaskieren sie sich auch auf Albumlänge unmittelbar als pure Inszenierung, als trashiges Schaulaufen der geradezu grotesk-miserablen Extraklasse: Strenght in Numb333rs mutiert in den folgenden 42 Minuten zu einem rein an der Oberfläche wütenden Reißbrett aus rebellisch gemeinten Schlagwörtern und perfekt am Konsumverhalten des Klientel designten Sounds. Ein Amalgam, das nur auf effekthaschendes Momentum aus ist. Das Trios aus Kalifornien wettert unermüdlich gegen die Krankheit Kapitalismus, ist aber konzeptionell selbst erschreckendes Symptom, zieht seine seelenlose Show mit einer Konsequenz durch, die die aufdringliche Bedeutungsschwere ohne jede fundierte Substanz leider geradezu lächerlich wirken lässt.

Strenght in Numb333rs behält dafür den stillosen Bastard aus Nu Metal, Punkrock, Industrial-Ästhetik, Rapcore, Crossover, Cloudrap und Hardcore der Made an America-EP bei, addiert aber eine zusätzliche Fülle an extrem catchy-aufdringlichen Alternative Rock-Refrains, die in ihrer Frontalität alles falsch verstanden haben, was Hybrid Theory und Meteora als Blaupausen auf dem Weg in die Stadien vormachten. Im Clusterfuck-Songwriting aus betont modern droppenden Bässen, Breakdown-Effekten, schrill übersteuerte Gitarren und zutiefst generischen Riffs ohne Wiedererkennungswert, reißen diese immer wieder penetrant von Linkin Park geklonte Singalong-Refrains die wuchtig bollernde Dicke Hose-Produktion auf, die das Vermächtnis von Rage Against the Machine mit Zeitgeist-Schwachsinn vergewaltigt, den Lil Peep oder XXXTentacion anrührten.
Das macht Nummer wie die Single Burn It zu enorm effektiv konstruierten Hits, während Animal, das mit Synthies schiebende Prey for Me/3 oder das zu Limp Bizkit prollende One of Us, The Innocent oder Out of Control/3 mit abgedämpftes Basslines und cheesy „Ohohohoooo“-Chören auf Nummer Sicher gehen, was die absolute Stadion-Tauglichkeit angeht. Das impertinente Coup d’etalk will dann gleich auf dem Dancefloor in den Himmel zeigende Hymnen beschwören – notfalls liefert das entsprechende Bundle ja auch das Megaphon, um gegen subversive Elemente anzugröhlen.

Schwer zu sagen also, ob diese unheimlich schnell übersättigende Poppigkeit das auffälligste Element von Strenght in Numb333rs ist, oder doch die grotesk schlechten Lyrics. Die sind schließlich wahlweise sogar noch banaler und seichter angelegt als bisher bereits, billigst konzipierte Slogans und plump-plakative Baukasten-Einzeilern, immer wieder bis zum Erbrechen wiederholte Fremdschäm-Katastrophen. „So when y’all was learning violin/ See I was learning violence“ ist da nur die Spitze des Eisberges und es ist geradezu erbarmungswürdig, wie sehr Jason Butler mit schweißtreibendem Einsatz dabei glaubt, revolutionäre Pamphlete zu brüllen oder sozialkritische Eingängigkeiten zu singen. Mit einer verschwendet tollen Stimme, so mühelos im Formelheft zwischen Daryl Palumbo und Chester Bennington zu wechseln: Ja, für diese geistreiche Regression wurden letlive. beerdigt.
Auch wenn man der Band zu Gute halten muss, dass sie Ohrwürmer nahezu perfekt kann und massenmobilisierende Hooks wie am Fließband liefert, bekommt jedoch selbst die primär durch den Frontmann transportierte Intensität und Energie durch die Begleitumstände eine prätentiös und bemühte Ausstrahlung, wirkt von den Produzent John Feldmann und Travis Barker so aufgesetzt maßgeschneidert, dass man auch von der eigentlich infektiösen Dynamik der Platte in den schwächsten Szenen geradezu angewidert wird.

Letztendlich ist es eine Melange aus all diesen charakterlosen Unzulänglichkeiten, die Strenght in Num333rs höchstens den Unterhaltungswert eines Best of the Worst-Rohrkrepierers verleiht. Die herausragenden Momente der Platte sind deswegen auch besonders misslungene Passagen. Etwa Inglewood/3, das sich an der schmalzigen R&B-Ballade versucht, die zwischen wütender, Eminemesk pressender Strophe und zartschmelzenden Refrain die Nackenhaare hochnotpeinlich aufstellt, anstatt emotional zu berühren. Oder das mit kitschigen Streichern zugekleisterte Poppunk-meets-Coheed and Cambria-Desaster Am I Here?, das für Feuerzeuge in der Arena sorgen soll, nachdem One of Us sogar einen geschmacklosen Kinderchor als Klammer aufgefahren hat. In diesem kurzweiligen Over the Top-Exzess ist es insofern durchaus paradox: Strenght in Numb333rs macht damit grundlegend noch mehr falsch als die bereits so grottige EP aus dem Vorjahr, funktioniert aber durch die infektiöse Gefälligkeit seiner Elefant-im-Porzelanladen-Elemente jedoch um das unangenehm beschämende Quäntchen zielführender.

CD auf Amazon | MP3 Download auf Amazon |

Related Post:

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen