The Fever 333 – Made an America

von am 1. April 2018 in EP

The Fever 333 – Made an America

Wenn sich der ehemalige Sänger von letlive. mit dem früheren Gitarristen von The Chariot und dem aktiven Schlagwerker von Night Verses zusammentut, dann herrscht natürlich akuter Supergroup-Alarm. Nicht zuletzt bei The Fever 333 selbst, die gleich mal eine gesamte Bewegung mit politischer Sprengwirkung ins Leben gerufen haben wollen wissen: „The movement is much greater than the music. The art is only a contingent piece. We want to make sure we’re just as involved in the activism and actual activation.

Für diese hochtrabend ambitionierten Ziele arbeiten The Fever 333 auf ihrer Debüt EP Made an America das Vermächtnis von Rage Against the Machine aus einer Perspektive auf, in der politischer Protest als brachiale Plattitüde im Club passieren kann; Cloud Rap und Trap den Standard im Hip Hop bilden, während Crossover und Rap Metal auch heute noch den Status Quo des Post Hardcore aufwiegt; ein gepflegter Loudness War zum guten Ton eines fett überproduzierten Cut-and-Paste-Songwritings gehört und Emocore seinen Pop-Anteil bis zur Penetranz ausformuliert haben muss.
Die Chancen stehen also (auch abseits wohl rauschhaft euphorischer Reviews) gut, dass Jason Aalen Butler, Stephen Harrison und Aric Improta mit dem gefühlten Nachfolgeprojekt der 2017 zu Grabe getragenen Glassjaw-meets-Michael Jackson-Eklektiker letlive. mit ihrem durchaus überraschend aus der Hinterhand geschossenen Einstand durch die Decke gehen könnten: Man spielt dem breitgestreuten Klientel von assoziativ nahverwandten Kombos wie Linkin Park, Hollywood Undead, den Transplants oder auch Fall Out Boy in die Hände, erschafft eine brachial am trendigen Zeitgeist designte Neuauflage des Nu Metal.

Das Clusterfuck-Songwriting funktioniert dabei meist nach dem selben Muster. In den Strophen formen programmiert abgedämpfte Beats und Hi-Hat-lastige Rhythmen die Grundlage, bevor der Bass irgendwann dropt, die Band durchaus mitreißend groovt und bollert, mal den Slamdown Hardcore andeutet und dann wieder elektronisch angefärbt lauert. Dann ist das meist technoid pushender Rap, den Butlers schnappende Performance anpeitscht. Seine Stimme wurde von John Feldman vorsichtshalber mit kreischendem Effekt für zusätzliche Dringlichkeit versehen, darf im Chorus dann aber doch holzhammereingängig mit purem Pop aufgehend – und die Hooks anhand einfach gestrickter Schlagwörter notfalls bis zum Erbrechen repetierend. Nachzuhören gleich im archetypisch gestrickten Titeltrack-Opener von Made an America.
Die nachlässig kopiert und multipliziert wirkenden Baukastengitarren (und Texte: „We’re coming in motherfucker/ Coming in motherfucker/ Coming in motherfucker„) von We’re Coming In haben dann in ihrer stumpfen Simplizität tatsächlich was von den prolligen Methods of Mayhem. Das Amalgam klingt seltsam unorganisch, seelenlos und blutleer. Selbst das bisweilen tolle Schlagzeugspiel geht in der extremen Monotonie der Nummer unter, bevor das Ende mit seinem Industrial Part wie ein anachronistischer Verweis zu Korn (um Follow the Leader herum) wirkt. (The First Stone) Changes ist dagegen ohnedies praktisch eher ein Yelawolf-Song mit stampfend Stimmung machendem The Fever 333-Feature, der ästhetisch gerne Run The Jewels Call Ticketron kopieren würde, aber nicht nur an seinen ermüdend vorhersehbaren Strukturen scheitert, sondern auch an der Inspiration aller Beteiligten.

Hunting Season positioniert sich ebenso Hip Hop und moduliert seine wuchtig bratenden Gitarren, hat ein latentes Industrial-Flair und galoppiert plötzlich ziemlich fein mit Schaum vorm Mund, doch wird dieser Ausbruch wie die meisten Szenen auf Made an America eher konsequent angerissen, als geduldig durchgezogen. Hauptsache, der Reim sitzt. „Do you feel the pain in my voice?/ That’s why we’re murderous boys/ This ain’t just noise/ Play with them tools like they toys/ Shoot like we ain’t got no choice„. Dass der Band ein bisschen Understatement einfach so verdammt gut tun würde, steht noch einmal auf einem ganz anderen Zettel.
Stattdessen packen The Fever 333 selbst (oder ausgerechnet) in Soul’d Me Out, dem potentiell besten Song der EP, einen pathetischen Bubblegum-Refrain, der im Gedenken an Chester Bennington Feuerzeugmeere in Pit sehen will. Auch Walking in My Shoes platzt schematisch in den Alternative Rock los, bevor das vollkommen egale POV als wenig substanzielle Hip Hop-Skizze (abseits von Textzeilen wie „Middle finger to the face, that’s our point of view„) keinerlei Eindruck hinterlassen kann und den plakativen Ersteindruck nur unterfüttert, den Made an America als ernüchternder Einstand hinterlässt.

Das hat mit ein wenig guten Willen durchaus trotzdem gewisse Vorzüge. Spätestens wenn man darüber hinweghören kann, wie unheimlich cheesy The Fever 333 klingen, kann es durchaus Spaß machen, sich vom sich seiner Banalität nicht bewusst seienden Clash der Band mitreißen zu lassen. Denn so maßgeschneidert konstruiert und reißbrettartig kalkuliert das Trio auch zu Werke gehen mag, so getrieben und energiegeladen, explosiv und leidenschaftlich transportieren sie ihre Botschaften dabei doch irgendwo.
Weil diese vorerst nicht über eine pubertäre Eindimensionalität hinausgehen, werden The Fever 333 wohl selbst für loyale Fans der bisherigen Spielwiesen von Butler, Harrison und Improta wohl eine polarisierende Spaltung zwischen den Kategorien bedingungsloser Hype, Guilty Pleasure-Unterhaltung oder aber sogar der ermüdenden Fremdschäm-Abteilung der Plattensammlung herbeiführen werden. Zweckoptimisten werden sagen: Anhand von Making an America muss man sich aber noch nicht zwangsweise für eine einzelne dieser Kategorisierungen entscheiden.

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