Placebo – A Place for Us to Dream

von am 13. Oktober 2016 in Best of

Placebo – A Place for Us to Dream

Gefühltermaßen das zweite Best of zum 20. Jährigen Jubiläum, aber der Schein trügt: Placebo feiern sich und ihren androgynen Alternative Rock auf A Place for Us to Dream mit einer erschlagenden Stafette an Hits, Singles, Ohrwürmern und Radio-Gelegenheitsbekanntschaften.

Unglaubliche 12 Jahre ist Once More with Feeling nun tatsächlich bereits alt – und ausgerechnet deren exklusive Nummer Twenty Years hat es als starkes Aushängeschild und eigentlich idealer Anzeiger des aktuellen Jubiläums nicht auf A Place for Us to Dream geschafft. (Ein Schicksal, dass sich die Auskoppelung übrigens nur mit Burger Queen Français und The Never-Ending Why teilt – alle anderen Singleveröffentlichungen finden sich unter den 36 hier versammelten Songs). Die 2004er Compilation wird bis auf weiteres jedoch nicht nur deswegen die bessere Single-Sammlung von Placebo bleiben. Immerhin haben Brian Molko und Stefan Olsdal seit damals gerade einmal 3 Studioalben veröffentlicht, zwei Drittel davon die schwächsten ihrer bisherigen Karriere: Wo das rundum tolle Meds anstandslos überzeugen konnte, hinterließen Battle for the Sun (dessen stärkste Songs zudem noch nicht einmal Singles waren) und Loud Like Love schließlich doch durchaus enttäuschend.

Und dennoch fügen sich die Vertreter der beiden Discografie-Schwachpunkte ohne Balastgefühl in den restlichen runden, chronologisch wild durcheinandergewürfelten Fluss aus Bandklassikern. Immerhin sind Nummern wie etwa gerade Too Many Friends abseits des schlichtweg grausamen Textes ja doch brav den Bandkonsens beliefernde Souveränitäten: eingängig, gefällig, wenn eben auch hinter der großen Geste etwas arg beliebig. Also kein Vergleich zu Songs von der Güteklasse eines Nancy BoyEvery You, Every Me, Slave to the Wage, Special Needs oder Song to Say Goodbye. Deren aufgefahrene, platzsparenden Radio-Edits und Single-Versionen sorgen übrigens abseits eines hartnäckigen Ohrwurmbefalls nicht für Auffälligkeiten in der Trackliste.

Stattdessen schleichen sich Feinheiten wie eine episch ausgebreitete 2016er-Bearbeitung von 36 Degrees, eine stark entschleunigte Intensivierung von Breathe Underwater oder ein 2008 verdichtetes I Know  in das Aufgebot. Allesamt gelungene Variationen, die aufhorchen lassen und A Place for Us to Dream einen eigenen Charakter verleihen. Auch eine gute Entscheidung: B3 von der überzeugenden, gleichnamigen EP hat es ebenso auf A Place for Us to Dream geschafft wie das Kate Bush-Cover Running Up the Hill.
Stichwort Namedropping: In Without You I’m Nothing gibt es ein Wiederhören mit David Bowie; das wunderbare Broken Promise glänzt durch Michael Stipe und Meds wird auch Dank Alison Mosshart immer der potentielle Paradeopener von Placebo bleiben. Und wo man bei vertanen Chancen ist: Der einzige tatsächlich neue Song der Compilation setzt die Tradition von Loud Like Love fort. Jesus‘ Son ist eine solide nach Hause gespielte, demonstrativ optimistisch ausgelichtete Beiläufigkeit, die extrem eingängig niemandem wehtut, aber eben auch nicht verbergen kann, dass Placebo dem Status Quo ihrer ersten fünf Studioalben mittlerweile nicht mehr aufwiegen können – außer Komplettisten werden die Fanscharen insofern wohl eher an der begleitenden Life’s What You Make It-EP dran sein.

Gut, essentiell für arrivierte Anhänger sind derartige Zusammenstellungen ohnedies selten, obgleich hier durch die Akzente bei der Versions-Auswahl zumindest der Eindruck eines Mehrwertes entsteht. Nach dem obligatorischen Livealbum MTV Unplugged zuletzt verstärkt sich durch das schon zweite Best of der Bandgeschichte dennoch der etwas muffige Beigeschmack, den Placebo mittlerweile hinterlassen. Aber dass die Londoner 20 Jahre nach ihrem Debüt momentan vor allem den Eindruck hinterlassen, unablässig Kohle mit vergangenen Großtaten abschöpfen zu wollen, ändert freilich nichts daran, dass A Place for Us to Dream rein auf seine Funktionalität analysiert grundsätzlich wenig falsch macht: Einen destilierteren, ausführlicheren, unterhaltsamer arrangierten Überblick über das Werk von Placebo hätte man sich kaum ausdenken können. Das stimmige Artwork und die schöne Aufbereitung runden das Gesamtpacket zudem ab – am Ende steht zwar kein Best of, aber ein Greatest Hits-Album, das für sich genommen kaum Wünsche offen lässt.

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