Sumac – The Deal

von am 25. Februar 2015 in Album

Sumac – The Deal

5 Jahre nach dem Ende von Isis steigt deren ehemaliger Vorstand Aaron Turner samt  namhafter Begleitung in stockdunkle Katakomben zu den Überresten seiner alten Band hinab, um mit Sumac die dortige Lage auszukundschaften.

Betrachtet man Sumac auf der einen und Palms auf der anderen Seite, lässt sich schnell nachvollziehen, wo sich Isis auseinanderdividiert zu haben scheinen. Da drei Männer der Bostoner Genre-Ikone samt Deftones-Meister Chino Moreno am Mikrofon: stets mit einer inneren Ausgeglichenheit auf der Suche nach kontemplativer Schönheit im Post-Metal. Hier nun der ehemalige Isis-Brüllwürfel und Hydra Head-Chef Aaron Turner im Verbund mit Baptists-Schießbuden-Ausnahmedompteur Nick Yacyshyn und Russian Circles/Botch/These Arms Are Snakes-Basser Brian Cook als außerordentliches Mitglied: quasi als Kehrseite der Supergroup-Medaille genau am anderen Ende des doomigen Spektrums beheimatet. Dort, wo jeder Funken Optimismus, Zuversicht und Freundlichkeit aus dem  niederschmetternden Klangkosmos heraussubtrahiert wurde und bloß noch eine immer schwärzer werdende Dunkelheit aus morast-tiefem Sludge, kalten Noisefeedbackanschlägen, unerbittlich böse mahlenden Slo-Mo-Metalriffs aus plattgewalzten Melodieansätzen sowie Turners verzweifeltem Gebrüll am Verstand nagt.

Wo ‚Palms also gerne öfter die Peitsche auspacken hätten dürfen, wissen Sumac nicht einmal, was Zuckerbrot überhaupt bedeutet und rühren stattdessen eine rohe Masse an brodelnder Heavyness an – wen man so will ein konsequent in seiner Misanthropie vergärendes Äquivalent zu Turners anderer Bandspielwiese Old Man Gloom, freilich ohne ausgeschickte Fake-Alben, sich energisch verselbstständigende Züge Richtung Direktheit oder den Humor der neuen Medien.
Stattdessen provozieren Sumac inmitten der instrumentalen Drone-Klammer aus ‚Spectral Gold‚ und ‚The Radiance Of Being‚ (nachdenkliche Gitarrengeplänkel aus der selben Vorhölle wie Converge’s ‚First Light‚) vom mächtigen ‚Thorn In The Lion’s Paw‚ weg mit einem immensen Groove, erbaut auf dem konzentrierten Schlagzeugspiel von Yacyshyn  (warum das Dave Grohl’s neuer Lieblingsdrummer ist, lässt sich hier optimal eruieren: die Performance des Kanadiers ist schlichtweg atemberaubend, ohne sich zu irgendeinem Zeitpunkt in den Vordergrund zu drängen), der zwischen entschleunigter Meshuggah-Akribie und bedächtig hämmernden Blastbeats bis hin zu nach vorne gehenden Abfahrten die Form der alles zermalmenden Saiteninstrumente diktiert, die immer wieder aus dem Kontext aufzuzeigen scheinen, letztendlich aber in einem beängstigenden Ambientmeer langsam verotten: ‚The Deal‚ entwickelt eine beeindruckende Dichte, vielleicht sogar genau jene Art von zwingender Unerbittlichkeit und methodischem Krawall, die ‚Palms beizeiten abgingen.

Das forciert eine kultivierte Art der Primitivität, lässt sich treiben und umschifft mit gerader Linie Progressivität für das Genre ebenso wie stumpfe Gefilde; jedwede Finessen werden jedoch genüsslich in einen tiefen Abgrund gerissen. Sumac spielen archaisch, wissen dabei was sie wollen und agieren fokussiert, obwohl man sich einen freigeistigen Zugang zu den Kompositionen bewahrt, die von Umschichtungen, der Mutation von Motiven und einer Achterbahnfahrt aus dynamischen Härtewechselgraden leben.
Da wird dem Moloch schon mal ein Klavier zum Fraß vorgeworfen, ‚Hollow King‚ beginnt mit potentiellem High on FireIntro, geißelt danach aber das gesamte Schaffen von Turner bis von zu Mamiffer, prügelt wie in Trance auf den Songkorpus. Sumac schleppen sich da mit tollwütigem Hass durch die Ruinen der Strukturen, sind brutal, massiv, zermürbend und abgrundtief. Plötzlich bricht immer wieder all die ausfransende, verschnaufende Aggression in einer bestialischen Eruption los. Ein Urgewalt-Inferno, als würden Tombs die französischen Gojira erwürgen, mit dem Pegel im roten Bereich: Mell Dettmer (bereits zuständig für Sunn O))) und Earth) und GodCity-Boss Kurt Ballou haben ‚The Deal‚ produktionstechnisch als Platte angelegt, die Magenwände ausheben kann, kompakt und ohne Schnörkel die scharrende Lautstärke forciert, weitläufig bleibt, in den besten Momenten zu einer physischen Erfahrung wird. Vielleicht sogar zu einer Neujustierung der Isis-Frühphase anhand des sich immer wieder verselbstständigenden Rausches von Turner und Yacyshyn, dem ähnlich wie schon Palms bisweilen höchstens das ausbalancierte Gleichgewicht fehlt.

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