Two Minutes To Late Night – Covers Vol. 5

von am 10. November 2020 in EP

Two Minutes To Late Night – Covers Vol. 5

Two Minutes to Late Night-Host Gwarsenio Hall spendiert Covers Vol. 5 den Untertitel Halloween Songs (Kind of), denn es gibt diesmal Interpretationen von Halloween II (Samhain), Over the Mountain (Ozzy Osbourne), Spooky (Dusty Springfield), Dead Man’s Party (Oingo Boingo)…und No Presents for Christmas (King Diamond).

Auch wenn es aufgrund des zeitaktuelleren Mottos im diesmaligen Anlauf abermals einige musikalische Schmankerl der Metal-Late Night-Show nicht von der Pipeline auf die allmonatliche Bandcamp-EP geschafft haben, stellt Covers Vol. 5 die bisher stärkste Ausgabe der Reihe dar. Die Performances der jeweiligen Allstar-Konstellation um Jordan Olds sitzen wie immer, als Ganzes war jedoch keine der vier vorherigen Interpretations-Sammlungen derart energetisch in sich geschlossen und qualitätskonstant funktionierend – hier geben sich die Highlights über einen schlüssigen, dynamischen Fluss die Klinke in die Hand.
Also der Reihe nach, mit einmal mehr schnalzender Zunge, angesichts der Dichte an aufgefahrenen Szene-Helden.

Halloween II hat Dwid Hellion und Jacky von Integrity, Abby Rhine (Life’s Question), Liam Wilson (The Dillinger Escape Plan und Azusa) sowie Danny Lomeili (Incendiary) an Bord und startet die Motoren zur Betriebstemperatur mit einem breitbeinig-motorisierten Rocker im röchelnd-okkulten Entombed-Modus, der mit kehligem Timbre auf den Mitgröhl-Highway abbiegt. Auf dem holen Brann Dailor (Mastodon, Arcadea), Mike Schleibaum (Darkest Hour), Marvin Nygaard (Kveletak) und Sebastian Thomson (Baroness, Trans Am) episch aus und beschwören eine Gitarren-Hymnik, rumorend gepresst, die Quarantäne-Zimmer zerlegend: Over the Mountain ist auch hier pure Metal-Essenz.
Die wird Spooky erst eingeimpft. Marissa Nadler und Earth-Boss Dylan Carlson sind jedenfalls die richtigen, um unmittelbar eine fesselnde Atmosphäre zu kreieren, das Gefüge um Coady Willis (Big Business, Melvins, The Murder City Devils), Stephen Brodsky (Mutoid Man, Cave In, Old Man Gloom) und Geheimwaffe Emily Lee (Shearwater, Loma, Snake Oil) nimmt sich mit Tabla-Rhythmik und folkigem Minimalismus zurück, man darf an die Mountains of Meggido von Down denken, bevor sich das Team bittersüß über einen Orgelteppich eingroovt und mit trippigen Tendenzen zu halluzinieren beginnt. Alleine der zurückgelegten Distanz her die faszinierendste Nummer der EP.

Die infektiöseste ist allerdings Dead Man‘s Party. Nili Brosh (Cirque du Soleil, Tony MacAlpine, Paul Gilbert und The Iron Maidens) und Pete Griffin (Giraffe Tongue Orchestra, Zappa Plays Zappa, Legend of the Seagullmen, Steve Vai, Dethklok, Dr. John, Zakk Wylde und …Hanson?) schließen sich der Protest the Hero– und Mystery Weekend-Speerspitze Rody Walker und Mike Ieradi an, die aktuell weiterhin in Hochform agiert und das Feuer ihrer Stammband ansatzlos in einen schwindelfreien Metal-Triumphzug a la Maiden übersetzt. Gwarsenio Hall mag dabei, wie sich später noch anhand der obligatorischen Home Demo nachvollziehen lässt, zwar schon vorab eine exquisite Vorarbeit bereitet haben, die beteiligten Experten heben den Grundriss aber auf einen anderen Level.
Das den regulären Rahmen abschließende No Presents for Christmas ist dabei von vorne bis hinten, zu seinem Black White Sabbath-Finale ein einziger überdrehter Gag im schnellen NWOBHM-Speed von Brann Dailor, Brendon Small (Dethklok, Galaktikon), Trommelakku Dave Witte (Municipal Waste, Brain Tentacles) und dem wie immer eine Extraportion Spielfreude abfeuernden ThorSaurus Nick Cageao von Mutoid Man, der aber so tight gespielt nicht auf eigene Kosten geht. Gut, der fistelnde Gesang von Dailor mag King Diamond treffen, ist aber subjektiv die Schwachstelle – die aber ohnedies spätestens mit der famosen Crooner-Bridge aufgewogen wird. Insofern liegt die Latte für die erst kommende Weihnachts-Sauße nach dem schaurig-schönen Gruselkabinett Covers Vol. 5 bereits verdammt hoch.

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