Die Alben des Jahres: 40 bis 31

von am 1. Januar 2015 in Jahrescharts 2014

Die Alben des Jahres: 40 bis 31

Nicht verpassen! | 50 – 41 | 40 – 31 | 30 – 21 | 20 – 11 | 10 bis 01 |

Lagwagon- Hang40. Lagwagon – Hang

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Nach neun Jahren ohne Lagwagon-Veröffentlichung hätte Joey Cape den ausgehungert darbenden Fanscharen wohl auch ein Album wie die doch etwas strauchelnden, aber durchaus soliden Vorgänger ‚Blaze‚ und ‚Resolve‚ als Comebackwerk vorsetzen können und dafür mutmaßlich dennoch Abstinenzerscheinung-lindernde Anerkennung bekommen. Doch Cape wollte mehr, angefangen bei einem demokratischeren Bandgefüge, und lies seine Ambitionen sorgsam wachsen und letzendlich in ‚Hang‚ kulminieren. Einer Platte, die alle Tugenden der Band kanalisiert, darüber hinaus aber so hungrig, frisch und motiviert auftritt, dass sie nicht einmal davor halt macht sich Foo Fighters‚esken Rock einzuverleiben oder mit der metallischen Hardcore-Kante von Propagandhi zu flirten. ‚Obsolete Absolute‚ schielt gar gen Prog und ‚One More Song‚ verneigt sich ein letztes Mal hymnisch vor Tony Sly, bis die Gänsehaut auffährt. Worauf Fanscharen fast ein Jahrzehnt gewartet haben funktioniert damit nicht nur für diese als triumphale Rückkehr, sondern vor allem auch für die hiervon angelockten Bandneulinge als süchtig machender, euphorisierenden Jungbrunnen.

SOHN - Tremors39. SOHN – Tremors

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Der gebürtige Brite und mittlerweile Wahlwiener Christopher Taylor konnte schon mit Trouble Over Tokyo auf sich aufmerksam machen. Seit 2012 werkelt Taylor als SOHN und liefert mit ‚Tremors‚ gefühlvollen und ausgeklügelten R&B-Pop aus dem Laptop. Kein Wunder, dass sich der eine oder andere Song schon mal in einer TV-Werbung wiederfindet. Immerhin kann ‚Tremors‚ mit richtig großen Hits wie ‚The Wheel‚ oder ‚Artifice‚ aufwarten. Deutliche Anleihen an namhafte Genrekollegen (wie etwa James Blake) verpackt Taylor in eine durchwegs hochqualitative Platte, die dem Hörer auf einer emotionalen Ebene packen. Die Ursprünge mancher Stücke in den 80er und 90er Jahren der Popgeschichte werden akribisch ins hier uns jetzt transferiert, Melancholie inklusive. ‚Tremors‚ erschafft das Genre nicht neu, beeindruckt aber trotzdem in voller Albumlänge.

Wolves In The Throne Room - Celestite38. Wolves In The Throne Room – Celestite

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Dass das Jahr 2012 das Ende einer Ära für Wolves in the Throne Room darstellte war nicht zuletzt diversen Äußerungen des Duos selbst zu entnehmen – schwer vorauszusehen war allerdings, wohin der Weg für die Brüder aus Olympia stilistisch gehen sollte. Nun war die Musik der Wolves bei allem Geschepper immer schon sphärisch, dass mit dem schneller als erwartet dagewesenen – und noch dazu als „companion album“ geführten – Nachfolger zu ‚Celestial Lineage‚ aber gleich als markanteste Kehrtwende fast komplett auf das rasende Schlagzeug verzichtet wurde, erwischte dann doch so manchen auf dem falschen Fuß. Das ist nun also kein Black Metal mehr? Die Grundstimmung, die die Weavers mitbringen, bleibt doch dieselbe; anstatt im aufreibenden Stakkato breiten sich die Gitarren nun aus wie Leichenbalsam, ähnlich wie die omnipräsenten Synthesizerflächen, die im Rückblick nicht mehr geworden sind, aber tonangebend. Wenn ‚Initiation At Neudeg Alm‚ aus dem Soundtrack von Flash Gordon in den klassischen Wolves-Sound verirrt wird klar, wer hier immer vor anderen Öko-Metalern die Nase vorn hatte, und wenn die tief brummende Gitarre dann verschwindet, vermisst man sie auch nicht. Und es sind nicht Brian May oder John Carpenter, die hier grüßen, sondern – natürlich – wieder Randall Dunn. Wie homogen die Stücke ineinander übergehen beweist einmal mehr, dass der Mann mindestens genauso im Minimalismus wie in den Achtzigern zu Hause ist (und dass diese „companion piece“ Sache abgehobener Quatsch ist), und es steht zu befürchten, dass der Kurswechsel für Wolves in the Throne Room nicht so erfolgreich begonnen hätte, säße da kein Dunn hinter dem Mischpult im Walde.

Fjørt - D'accord37. Fjørt – D’accord

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Der Himmel brennt!“ prescht ‚Valhalla‚ episch aufbrechend nach vorne los, vielleicht sogar als der alles überdauernde Funkenflug-Moment dieser hochexplosiven Platte, ist dabei genau genommen aber nur einer der absolut überwältigenden, sich beständig zuspitzenden Highlight-Momente des mit brillanten Songs nur so zugestopften ‚D’accord‚ – einem weiteren Diamanten aus dem Hause These Charming Man Records und dem ersten Dokument davon, wie das klingt, wenn die dreiköpfige Urgewalt Fjørt ihren imposanten Post Hardcore ohne Einschränkungen anwirft. Dass sich das Trio hinter diesen nackenbrechenden Songs auch noch als mutmaßlich ziemlich freundlicher Haufen entpuppt, ist da vielleicht sogar noch schöner als die Vermutung, dass ‚D’accord‚ trotzdem erst der Anfang ist und Fjørt noch lange nicht am Zenit angekommen zu sein scheinen.

La Dispute - Rooms of the House36. La Dispute – Rooms of the House

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La Dispute haben ihr Songwriting vom wortschwallerbrechenden Diktat der Textlastigkeit befreit, dass das unheimlich dicht gestrickte Kurzgeschichten-Geflecht ‚Wildlife‚ in Atem hielt. Wie gut der neue Freiraum alleine der instrumentalen Seite der Songs getan hat, zeigt sich vor allem in den ruhigsten – und damit den besten! – Stellen des sorgsam verwobenen Stückwerks ‚Rooms of the House‚: ‚Woman (in mirror)‚, ‚Woman (reading)‚ und ‚Objects in Space‚. La Dispute atmen hier tief durch und strahlen die selbe innere Ruhe und Nachdenklichkeit wie auf der bereits viel zu lange nicht fortgesetzten ‚Hear, Hear‚-Reihe aus. Der impulsiv Post-Hardcore drumherum greift nicht nur auf alle Tugenden zurück, die man an La Dispute immer schon lieben konnte, sondern erweitert deren Spektrum abermals weiter. So klingt eine Band, die Risiken eingeht und nicht gewillt ist, sich auf den eingefahrenen Lorbeeren auszuruhen.

Ja, Panik - Libertatia35. Ja, Panik – Libertatia

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Nach dem opulenten ‚DMD KIU LIDT‚ aus dem Jahr 2011 mussten Ja,Panik nicht nur auf zwei Mitglieder verzichten, sondern beinahe gänzlich um ihre Zukunft bangen. Das Ergebnis vom übriggebliebenen Trio ist eine durch und durch dem Pop verschriebene Utopie namens ‚Libertatia‚. Die gleichnamige Vorabsingle wurde zu Recht zum zeitlosen Hit. „Ich wünsch mich dahin zurück, wo’s nach vorne geht/ ich hab auf back to the future die Uhr gedreht“ heißt es da und markiert das fast schon als Neubeginn zu wertendes Werk der Band. Die Exilberliner rund um Andreas Spechtl schlurfen zurückgelehnt durch swingende Gitarren und falcohaften Gesang, weniger zynisch, aber mindestens genauso gewitzt und intelligent wie man es von ihnen gewohnt ist. Dem Album gelingt es auch mit der Zeit zu wachsen und spätestens wenn man die durchaus aus rockigere Live-Umsetzungen der Songs kennt kann man nur hoffen, dass Ja, Panik noch viele weitere Jahre zu den Aushängeschildern österreichischer Popmusik zählen.

Sun Kil Moon – Benji34. Sun Kil Moon – Benji

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 Mark Kozelek ist schon ein verdammt komischer Kauz. Justament, als Sun Kil Moon mit ‚Benji‚ endgültig zur allgemein geliebten, plattformübergreifenden Konsensband avancieren und den Red House Painters gar endgültig den Rang abzulaufen scheinen, torpediert der 47 jährige Amerikaner sein Image mit einer billig wirkenden und unnötigen Fehde mit The War on Drugs. Der Mehrwert der künstlerischen Aufarbeitung des Disputs: amüsant, irgendwie, aber auch zumindest fragwürdig. Dass all das Pitchfork-Gossip-Gewäsch dennoch im Schatten der elf wunderbar gedankenvollen, in alle Richtungen ausbrechenden und geradezu freundlich zugänglichen Songs von ‚Benji‚ steht, spricht dann allerdings nur für das sechstete Sun Kil Moon-Album. Welches übrigens abermals ein genialistiches Kleinod darstellt.

D'Angelo And The Vanguard - Black Messiah33. D’Angelo – Black Messiah

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Eventuell wäre die jüngste Platte dieser Liste noch weiter vorne im Ranking gelandet, hätte sie mehr als nur knappe zwei Wochen Einwirkzeit für sich beanspruchen dürfen. Trieft doch aus jeder Pore dieses schwitzenden, so unfassbar dynamischen, vor Funk, Soul und R&B förmlich pulsierenden Überraschungs-Rausches die insgeheime Gewissheit, es bei ‚Black Messiah‚ tatsächlich mit jenem potentiellen NeoKlassiker in der Tradition von Sly and the Famly Stone und Prince zu tun zu haben, auf den Michael Eugene Archer mit seinem in vielerlei Hinsicht so unglaublichen Comeback nach eineinhalb Jahrzehnten des Frusts hingearbeitet zu haben scheint. Was anhand dieses nach akribisch geplantem Spontanjam klingenden Fiebertraum vorerst in jedem Fall sicher scheint ist hingegen die Annahme, dass man bei der Erwähnung von D’Angelo dennoch weiterhin zuerst an lüstern abgefilmte Bauchmuskeln denken wird müssen, als an politisch motivierten Groove.

alt-j - This is All Yours32. alt-J – This is All Yours

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Waren es auf dem erfrischend andersartigen Eklektizismus ‚An Awesome Wave‚ vor zwei Jahren noch die einzelnen Ausnahmesongs, die das Gesamtbild prägten, haben sich Joe Newman, Thom Green und Gus Unger-Hamilton mit ihrem Zweitwerk zur Albumband (weiter)entwickelt. Angeblich ließen sich Alt-J sogar nur von ihrer Plattenfirma zu ‚Left Hand Free‚ überreden, dieser hibbeligen Single, die nun doch aus dem ansonsten weitestgehend wunderbar malerisch-ruhigen Albumfluss von ‚This is All Yours‚ herausfällt und den Evolutionsprozesses der zum Trio geschrumpften Engländer dezent unterwandert. Zumindest drumherum machen Alt-J allerdings in elegischer Schönheit und nachwirkender Unaufdringlichkeit den immensen Erwartungsdruck untertauchend einfach verdammt viel richtig – bis hin zum Miley Cyrus-Sample. Zur ersten 10/10 Wertung bei Plattentests seit knapp 8 Jahren hat es bekanntlich nebenbei sowieso gereicht.

Flying Lotus - You're Dead!31. Flying Lotus – You’re Dead!

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 War die Verwandschaft von Steven Ellison zu Alice Coltrane im bisherigen Schaffen von Flying Lotus vor allem eine interessante Fußnote für die Detailarbeit, muss sie für ‚You’red Dead!‚ beinahe zwangsläufig doppelt unterstrichen hervorgehoben werden: das fünfte Studioalbum des Elektronik-Produzenten findet nicht mehr im interstellaren Digitalmeer statt, sondern in verrauchten Jazz-Clubs, in denen sich die Gästeriege von Herbie Hancock bis Ennio Morricone die Bälle zuspielt und die Musiker rund um Bass-Meister Thundercat ein virtuoses Schaulaufen der Extraklasse abfeiern. Wenn Snoop Dogg und Kendrick Lamar in das Fusions-Geschehen stolpern beschert das letztendlich sogar dem Hip Hop einige markante Highlightmomente, ist aber wie ‚You’red Dead!‚ im gesamten klar im Klangkosmos des Flying Lotus verankert: ein anachronistischer Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft, der Ellison als heimkehrenden Visionär ablichtet und einmal mehr als Vordenker der Szene hervorhebt.

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